Futtereffizienz ist eine der Stellschrauben, mit der du auf deinem Betrieb wirklich viel bewirken kannst. Eine höhere Futtereffizienz hat zwei Effekte: Einen stabilieren Stoffwechsel und damit mehr Tiergesundheit und einen wirtschaftlichen Effekt. Es bleibt am Ende des Tages einfach mehr Geld übrig.
In der Folge 221 dreht sich alles um die Frage, wie du mit besserer Futtereffizienz mehr aus deinem Grundfutter herausholen kannst. Dabei nehmen wir die Kennzahl „Income Over Feed Cost“ (IOFC) in den Fokus. Der IOFC zeigt, wie sich Fütterungsentscheidungen direkt im Betriebsergebnis bemerkbar machen.Außerdem geht es um praktische Herausforderungen aus dem Stallalltag: Was steckt hinter dünnem Kot? Wie lässt sich die Trockenmasseaufnahme steigern? Welche Rolle spielen Silagequalität, Pansenstabilität und die richtige Rationsgestaltung? Spannend ist auch der Blick auf moderne Fütterungsmodelle wie CNCPS und deren Möglichkeiten, die Leistung und Wirtschaftlichkeit von Rationen präziser vorherzusagen. Eine Folge voller praxisnaher Denkanstöße für alle, die an den richtigen Stellschrauben drehen und das Potenzial ihrer Herde besser nutzen möchten.
Gemeinsam mit Fütterungsexpertin Dr. Petra Philipps-Wiemann beleuchtet Christian Völkner, warum nicht allein die Milchleistung zählt, sondern vor allem der wirtschaftliche Erfolg dahinter. Im Fokus steht die Kennzahl „Income Over Feed Cost“ (IOFC), die zeigt, wie sich Fütterungsentscheidungen direkt im Betriebsergebnis bemerkbar machen.
Warum es sich lohnt, die Futtereffizienz zu steigern
Du hast mehr Gewinn auf dem Hof. Futter ist der größte Kostenblock in der Milchviehhaltung, und wer mehr aus seinem Futter macht, merkt das im Geldbeutel.
Der zweite Grund kommt von außen. Gesellschaftlich ist eine gewisse Ressourcenschonung gewollt, und Molkereien fragen zunehmend danach und legen Wert darauf. Wenn du deine Futtereffizienz verbesserst, kommst du auf beiden Feldern weiter.
Was Kuhmenschen unter Futtereffizienz verstehen
Schon bei der Definition fangen die Missverständnisse an. Ich habe deshalb vor der Folge eine Umfrage im Club der alten Kühe gestartet. Am ersten Tag sind direkt 20 Antworten zurückgekommen.
Diese Erklärungen sind dabei herausgekommen:
- Milch pro Futtereinheit
- ermolkenne Milch geteilt durch Kilogramm Trockenmasse
- die vorhandene Futtermenge auf dem Feld möglichst verlustarm in Milchleistung und Wachstum umwandeln
Petra kann bei allen drei Antworten mitgehen. Die letzte gefällt ihr besonders, weil sie den Blick weit nach vorne richtet, bis aufs Feld.
Die Futteraufnahme steht über allem
Eine Sache hat für Petra oberste Priorität: die Futteraufnahme. Denn nur das, was die Kuh reell aufgenommen hat, kann sie auch in Milch umsetzen.
Das ist die Schlüsselkenngröße, die du möglichst genau ermitteln und kennen solltest. Und damit meint sie das, was die Kuh wirklich frisst, nicht den Wert, den du theoretisch berechnest. Dazwischen liegen viele Faktoren, die eine Rolle spielen.
Futtereffizienz beginnt auf dem Feld
Wann fängt Futtereffizienz eigentlich an? Da kannst du an zwei ganz unterschiedlichen Punkten starten.
Du kannst ab dem Feld denken: Das Gras ist gewachsen, und ab da läuft die Uhr. Dann stecken Silierverluste und Bröckelverluste mit drin. Oder du beginnst erst bei der Ration, die vor der Kuh liegt, und setzt dort deinen Startpunkt.
Petra würde ganz weit vorne anfangen. Stichwort Silagequalität. Der Erntezeitpunkt und auch Machineneinstellungen und das gesamte Silomanagement entscheidet mit darüber, was bei der Kuh am Ende ankommt.
Sie empfiehlt, bei Gras und bei Mais darauf zu achten, zum richtigen Zeitpunkt zu silieren. Dafür gibt es das sogenannte Vorerntemonitoring, bei dem du den passenden Zeitpunkt nicht deinem Gefühl überlässt.
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IOFC: Futtereffizienz in Euro umgerechnet
Die amerikanische Kennzahl dafür heißt IOFC, Income over Feed Cost. Der Gedanke dahinter: Wieviel Geld kommt nach Abzug der Futterkosten rein. Stall und Tierarztkosten bleiben hier außen vor.
So rechnest du:
- Milcherlös pro Kuh und Tag. Du nimmst die Milchmenge mit allen Zuschlägen, die du bekommst, und rechnest sie auf eine Kuh um. Bei 32 Kilogramm Milch pro Kuh und Tag landest du mit dem Milchpreis bei ungefähr 14 Euro.
- Futterkosten pro Kuh und Tag. Davon ziehst du deine gesamten Futterkosten für diese eine Kuh an diesem Tag ab. Grundfutter und Kraftfutter. Und zwar auch die eigene Fläche mit einem Pachtansatz, denn verpachten könntest du sie ja auch.
- Der Rest ist dein IOFC. Übrig bleibt ein Betrag von vielleicht 7 oder 8 Euro pro Kuh und Tag.
Petras Zusammenfassung in einem Satz: Milcherlös minus Futterkosten ist der IOFC.
Wichtig ist der Unterschied zwischen den beiden Kennzahlen. Die Futtereffizienz ist eine biologische Kennzahl. Der IOFC ist die wirtschaftliche Konsequenz daraus und damit eine Stellschraube, an der du auf dem Betrieb drehen kannst und auch drehen solltest.
Warum der IOFC im Zeitverlauf aussagekräftig wird
Eine einzelne Zahl sagt dir noch nicht viel. Aussagekraft bekommt der IOFC, wenn du ihn regelmäßig ermittelst, zum Beispiel monatlich oder sogar öfter.
Dann siehst du, was passiert, wenn du etwas änderst. Neue Silage angeschnitten? Ration angepasst? Der IOFC zeigt dir, wie sich das ausgewirkt hat. Viele Betriebe, mit denen Petra im Tagesgeschäft zu tun hat, nutzen die Kennzahl genau so, um ihre Futtereffizienz zu beurteilen.
Dazu gehören weitere Kenngrößen, allen voran die NDF-Verdaulichkeit im Grundfutter. NDF steht für die Faserfraktion im Futter. Interessant ist es, mit hoch verdaulichem Grundfutter zu arbeiten, das trotzdem den passenden Strukturwert mitbringt, und dabei die Kosten im Griff zu behalten.
Wie wichtig ist das Thema den Kuhmenschen?
Ich habe im Club der alten Kühe auch gefragt, wie wichtig die Futtereffizienz im Vergleich zu anderen Baustellen auf dem Betrieb ist. Die Skala hat von 1 für kaum relevant bis 10 für eines meiner wichtigsten Themen gereicht.
Das Ergebnis:
- 50 Prozent haben bei 7 oder 8 abgestimmt
- weitere 10 Prozent sogar bei 9 oder 10
- bei 1, also kaum relevant, hat niemand abgestimmt
Praxisfall: mehr Trockenmasse, aber der Kot ist zu dünn
Aus der Umfrage wurde eine konkrete Antwort herausgegriffen und mit Petra besprochen. Ein Betrieb schreibt:
Trockenmasseaufnahme erhöhen. Aktuell liegen wir bei 23,5 bis 24 Kilo, möchten gerne über 25 erreichen. Wir haben nur Grassilage und die Kotkonsistenz ist an der zu dünnen Grenze.
Petras erste Einordnung: Die Menge an Grassilage allein erklärt den dünnen Kot noch nicht. Entscheidend sind die Eigenschaften dieser Silage.
- Wie jung ist sie?
- Wie eiweißreich ist sie?
- Wie schnell wird sie im Pansen abgebaut?
- Wie viel strukturwirksame Faser steckt drin?
Beim Erntezeitpunkt rät sie, das richtige Zeitfenster zu erwischen, damit der Trockenmassegehalt in der neuen Grassilage passt. Ihr Weg dahin: Frischgras analysieren lassen. Das Labor rechnet dir aus der NDF den theoretisch besten Schnittzeitpunkt hoch. Die meisten Betriebe schneiden eher zu spät, bei diesem Betrieb scheint es umgekehrt zu sein.
Daneben nennt sie drei Ansatzpunkte für die Ration:
- die Strukturwirkung verbessern
- überlegen, ob eine weitere Komponente mit in die Ration gehört
- den Pansen stabilisieren
Wenn zusätzlich viel Kraftfutter im Trog liegt, können die Kühe eine subakuten Pansenacidose bekommen, also eine Übersäuerung des Pansens, die du dem Tier nicht direkt ansiehst. Ich habe nachgehakt, ob sich im Pansen etwas an unerwünschten Bakterien aufgebaut haben kann. Petra bestätigt das.
Wenn viele schnell verfügbare Kohlenhydrate im Pansen landen, gehen die Faser abbauenden Bakterien zurück. Die Folge: Die Verwertung der NDF wird noch schlechter. Das Problem verstärkt sich selbst.
Dünner Kot auf der Weide
Im Sommer mit Weidegang zeigt sich oft dasselbe Bild. Junges Gras mit wenig wirksamer Struktur, viel Zucker, viel Protein. Ein ähnliches Problem wie bei der jungen Grassilage.
Auch hier gilt es, den Pansen zu stabilisieren. Die pH-Wert-Schwankungen können extrem sein, wenn die Kühe ihre Stunden auf der Weide verbracht haben. Diese Schwankungen kannst du abpuffern.
Dazu kommt bei der Weide eine zweite Baustelle: Du kommst in Phasen mit Hitzestress. Dann lohnt es sich, die gesamte Pansensymptomatik im Blick zu behalten.
Deutsches Fütterungssystem und amerikanisches System
Die Ration wird berechnet, dann wird sie gemischt und dann kommt sie in die Kuh. Für die Berechnung gibt es unterschiedliche Systeme.
Das deutsche System arbeitet mit NEL und NXP und ist bisher ein eher statisches Modell gewesen, das seine Berechtigung hat. Petra hat bei der Landwirtschaftskammer gearbeitet und dort immer damit gerechnet.
Jetzt wird dieses System abgelöst. Neu ist der Wechsel zu ME, also zur umsetzbaren Energie. Die Strukturwirkung der Faser wird stärker berücksichtigt. Und bei der Proteinbewertung geht das System weg vom NXP und stärker hin zu den verdaulichen Proteinfraktionen.
Das amerikanische System heißt CNCPS und ist seit Jahren ein dynamisches Modell. Es geht auf die Einzelbestandteile der Ration ein, und zwar über die Nährstoffe hinaus: Wie verhalten sich die Bestandteile der Ration im Pansen, und wie setzt die Kuh das um?
Mit der Umstellung nähert sich das deutsche System dem amerikanischen an. Das dynamische Modell verlangt mehr Eingaben an Einzelkennwerten und Zahlen. Dafür bekommst du eine sehr präzise Vorhersage.
Ohne Futtermittelanalyse geht es nicht
Mehr Eingaben heißen mehr Daten. Woher kommen die?
Ein Teil kommt aus der Futtermittelanalyse. Beim CNCPS-Modell sind die Fraktionen stärker ausgeprägt, bei den Faserkomponenten genauso wie bei den Säuren und beim Protein. Dazu kommen Angaben, die nichts mit dem Futter zu tun haben: die Trockenmasseaufnahme und das Gewicht der Kuh zum Beispiel.
Die Trockenmasseaufnahme wird auch im neuen deutschen System zunehmend berücksichtigt.
Bei aller Annäherung hat Petra eine klare Ansage: Misch die Systeme nicht. Wenn du eine Analyse nach CNCPS ankreuzt, dann rechne damit auch nicht im deutschen System. Und umgekehrt genauso. Das passt nicht und funktioniert nicht.
Was ist AMTS?
Auf manchen Rationsberechnungsprogrammen steht AMTS. Christian wollte wissen, was dahintersteckt. Hier findest du einen Praxis-Bericht.
CNCPS ist das amerikanische wissenschaftliche Modell, das entwickelt wurde um Rationen für Kühe zu beurteilen. Dafür wurde ist Software gemacht. AMTS ist eine dieser Anwendungen und im deutschsprachigen Raum am weitesten verbreitet. Im Hintergrund steckt also CNCPS.
Transparenzhinweis: Ich habe eine Kooperation mit der dsp-Agrosoft, die AMTS-Software anbieten. Ich habe für die Nennung in Podcast und Blogartikel keine Gegenleistung erhalten.
Fazit
An deiner Futtereffizienz zu arbeiten lohnt sich, und zwar auch in barem Geld. Der IOFC macht sichtbar, wie viel davon bei dir ankommt.
Die wichtigsten Punkte im Überblick:
- Futtereffizienz ist eine Kennzahl, für die Wirtschaftlichkeit von Milchkuhbetrieben.
- Die Futteraufnahme messen. Es ist wichtig zu wissen, was die Kuh wirklich frisst.
- Der IOFC ist Milcherlös minus Futterkosten. Regelmäßig gerechnet zeigt er dir, was deine Änderungen gebracht haben.
- Futtereffizienz braucht Vorausdenken. Du fängst früh an, schon auf dem Feld bei der Silierung, und stellst dort die richtigen Weichen.
- Danach bleibst du dicht am Tier. Wie ist die Futterverfügbarkeit? Wie sieht die Hungergrube aus? Wie kommen die Pansenbakterien klar? Wie ist der Kot?
Häufige Fragen zur Futtereffizienz
Ab welchem Wert ist mein IOFC gut?
Eine allgemeingültige Zielmarke nennt Petra im Gespräch nicht, und das hat einen Grund: Der IOFC hängt an deinem Milchpreis, deinen Zuschlägen und deinen Futterkosten. Aussagekraft bekommt die Zahl erst im Vergleich mit deinen eigenen Vormonaten.
Wie oft sollte ich den IOFC berechnen?
Petra nennt monatlich als Orientierung, gerne auch öfter. Sinnvoll ist es immer dann, wenn sich etwas ändert, zum Beispiel beim Anschnitt einer neuen Silage.
Muss ich jetzt auf das amerikanische System umstellen?
Nein. Beide Systeme haben ihre Berechtigung, und das deutsche System bewegt sich mit der Umstellung auf die ME ohnehin in Richtung des amerikanischen. Wichtig ist, dass du dich für eines entscheidest und dabei bleibst. Analyse und Berechnung müssen zusammenpassen.
Reicht meine normale Futtermittelanalyse für eine CNCPS-Rechnung?
Das CNCPS-Modell braucht mehr Fraktionen, als eine Standardanalyse liefert, bei der Faser, bei den Säuren und beim Protein. Sprich vorher mit deinem Labor, was du vor hast, welche Analyse du brauchst, und kreuze die passende an.
Was hat der Erntezeitpunkt mit dünnem Kot zu tun?
Zu jung geerntetes Gras ist eiweißreich, wird schnell im Pansen abgebaut und bringt wenig strukturwirksame Faser mit. Genau diese Kombination führt zu dünnem Kot. Über den Schnittzeitpunkt stellst du also schon auf dem Feld die Weichen dafür, wie der Kot im Stall aussieht.
Weiterführende Links
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Kontakt Dr. Petra Philipps-Wiemann (Lallemand Animal Nutrition)
E-Mail: pphilipps-wiemann@lallemand.com
Telefon: +49 (0) 151 40708209
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Deine nächsten Schritte
Viel Freude mit deinen Kühen und genieße das Leben!
Dein Christian Völkner