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222 | Verbesserter Ketose-Alarm – Ersetzt die KI den Tierarzt?


Wenn du bei einer Kuh Ketose misst, ist der Schaden schon angerichtet. Die Ketonkörper sind im Blut, der Appetit ist weg, der Pansen arbeitet langsamer. Von da an ist die Kuh schon in einem Teufelskreis der sich selbst verstärkt.

In dieser Folge des Kuhverstand Podcasts habe ich mit Kerstin Duncker gesprochen. Sie hat 13 Jahre in einer Rindertierarztpraxis in Schleswig-Holstein gearbeitet und berät seit 2021 Landwirte und Tierärzte, hauptsächlich zu Früherkennung und Vorsorge. Heute arbeitet sie in der Produktentwicklung bei smaXtec (Sponsor dieser Folge).

Wir sprechen darüber wie sich die Arbeit von Tierärzten durch künstliche Intelligenz verändert und wie KI-Vorhersagen über mögliche Krankheiten entstehen und wie man damit dann umgeht.

Ein Hinweis vorweg: Diese Folge ersetzt keine tierärztliche Beratung auf deinem Hof. Christian und Kerstin sprechen über ihre Erfahrung und ihren Wissensstand.

Wie Tierärzte auf den KI-Alarm reagiert haben

Als smaXtec den KI-gestützten Alarm TruAdvice ausgerollt hat, sind die Reaktionen in der Tierärzteschaft weit auseinandergegangen. Von Skepsis bis zu großer Begeisterung war alles dabei.

Das spiegelt laut Kerstin gut wider, wie unterschiedlich Tierärzte heute mit dem System arbeiten. Viele haben die App auf dem Handy und nutzen die Daten für ihre Betriebe. Andere arbeiten ganz anders und haben das Ganze erst einmal als Bedrohung empfunden.

Das ist ausdrücklich nicht das Ziel. smaXtec will den Tierarzt mit Daten sinnvoll unterstützen.

Wie der Sensor-Bolus in den Netzmagen kommt und dort bleibt

Wenn du einen Calziumbolus eingibst, sinkt der irgendwo im Pansen ab. Der Sensorbolus dagegen soll sicher im Netzmagen landen. Christian wollte wissen, wie das zuverlässig funktioniert.

Zwei Eigenschaften sorgen dafür:

  • Die Dichte ist höher als bei einem Calziumbolus.
  • Das Gewicht ist ungleich verteilt. Der Bolus ist auf einer Seite schwerer als auf der anderen.

Durch die Pansenbewegung landet er in den ersten Stunden nach der Eingabe sehr sicher im Netzmagen und bleibt dort, trotz aller Kontraktionen. Kerstin schätzt, dass die Eingabe in 99 Prozent der Fälle auf Anhieb funktioniert.

Eine Ausnahme gibt es: In der Hochträchtigkeit kann das Kalb so viel Raum im Bauchraum fordern, dass alle anderen Organe Richtung Kopf gedrückt werden. Dann verlässt der Bolus für ein paar Tage seinen vorgesehenen Platz. Das kommt extrem selten vor. Später wandert der Bolus wieder zurück an den richtigen Platz.

Was der Bolus misst

Die innere Körpertemperatur misst ein Temperatursensor. Für die Bewegung sitzt ein 3D-Beschleunigungssensor im Bolus, der die Position in allen drei Raumrichtungen erfasst.

Damit misst das System die Pansen- und Netzmagenaktivität, also die Kontraktionen, die durch Pansen und Netzmagen laufen. Landläufig heißt das Wiederkauaktivität. Weil die Messung im Tier stattfindet, trifft es Kerstin zufolge Pansen- und Netzmagenaktivität genauer.

Die Daten gehen alle 10 Minuten raus. Was dabei ankommt, sind seitenweise Kurven, die für dich als Kunde lesbar zusammengefasst werden. In Graz sitzen dafür in den Büros Data-Scientists-Spezialisten.

In diesen Kurven steckt mehr, als heute ausgewertet wird. Die Data Scientists nennen es das Grundrauschen. Ohne den Bolus zu verändern, lässt sich künftig noch mehr daraus lesen, einfach weil die Daten genauer untersucht und Muster erkannt werden.

Wie aus Temperatur eine Tränkemenge wird

Trinkt die Kuh, fällt die Temperatur im Netzmagen. Daraus errechnet das System die aufgenommene Wassermenge und die Trinkzyklen.

Die Genauigkeit hängt an der Wassertemperatur. Bei 15 Grad ist sie sehr hoch, darüber und darunter gibt es Abweichungen: Warmes Wasser führt dazu, dass die Menge leicht unterschätzt wird, kaltes Wasser wird leicht überschätzt.

Den Vorteil hast du trotzdem, weil du das Tier mit sich selbst vergleichst und zusätzlich die Trinkzyklen beurteilen kannst. Bei lahmen Tieren wird das besonders aufschlussreich, wenn du Tränkeaufnahme und Aktivität gleichzeitig siehst. Eine Kuh, die nur noch zur Tränke und für ein bisschen Fressen aufsteht, braucht deine volle Aufmerksamkeit.

Der zweite Blick geht auf die Gruppen. Du kannst die Tränkemenge in den Gruppen und über die Zeit vergleichen. So kommt es regelmäßig vor, dass die Tränketechnik nach der Installation vom Sensorsystemen verbessert wird.

Die vier Parameter im Überblick

Der Bolus misst vier Dinge:

  • Wiederkauaktivität, genauer: Pansen- und Netzmagenaktivität
  • Aktivität, also die Bewegung des Tiers
  • innere Körpertemperatur
  • Wasseraufnahme (Über den Temperaturabfall)

Die Aktivität nutzt das System außerdem zur Brunsterkennung. Dafür gibt es ein Update, mit dem die Erkennung deutlich genauer geworden ist. Optional gibt es einen weiteren Bolus, der zusätzlich den Pansen-pH misst.


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Früher erkennen. Gezielt handeln.

Gesundheitliche Veränderungen beginnen oft, bevor erste sichtbare Symptome auftreten. Umso wichtiger ist es, sie möglichst früh zu erkennen.

Früherkennung mit Bolus-Technologie

Die einzigartige smaXtec Bolus-Technologie erfasst Gesundheitsparameter kontinuierlich direkt im Inneren der Kuh und liefert einzigartige, hochpräzise Daten. Innere Körpertemperatur, Wasseraufnahme, Trinkzyklen, Wiederkautätigkeit und Aktivität ermöglichen präzise Einblicke in den Gesundheitszustand. KI-gestützte Analysen verarbeiten Milliarden von Datenpunkten, erkennen relevante Veränderungen und ermöglichen konkrete Handlungsempfehlungen.

So können Landwirte präventiv handeln und wichtige Entscheidungen rechtzeitig treffen. Kontinuierlich gemessene Tierdaten, künstliche Intelligenz und einzigartige Beratung schaffen die Grundlage für eine neue Generation des Gesundheitsmanagements:

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Was bei einer Ketose im Körper passiert

Die Kuh ist in der negativen Energiebilanz und mobilisiert Körperfett. Dabei steigen die Ketonkörper an, die du im Blut und in der Milch wiederfindest. Sie erzeugen ein Sättigungsgefühl, die Kuh frisst noch weniger, und der Teufelskreis läuft.

Sobald Ketonkörper im Blut sind, hat die Kuh schon keinen Appetit mehr, weniger Pansenmotilität und weniger Wiederkauen. Pansenmotilität meint die Bewegung des Pansens. Das wirkt direkt auf das Pansenmikrobiom, weil Organismen absterben und nicht mehr richtig arbeiten können. Dazu kommt die Belastung der Leber und des Immunsystems.

Aus dieser Kette heraus entstehen die Folgeerkrankungen:

  • schlechte Fruchtbarkeit
  • Gebärmutterentzündung
  • Labmagenverlagerung
  • Mastitis, also Euterentzündung

Vieles beginnt bei der Ketose. Wenn du sie vermeidest, hast du die Tiergesundheit weitgehend im Griff.

Das Muster, mit dem sich eine Ketose ankündigt

Der kritische Zeitraum liegt rund um die Abkalbung, ungefähr von 5 Tagen davor bis 40 Tage danach. In diesem Zeitraum entwickeln Kühe am häufigsten Ketose.

Das System betrachtet drei Kurven gemeinsam: Wiederkauen, Aktivität und Temperatur. Eine sich anbahnende subklinische Ketose, also eine Ketose ohne sichtbare Symptome, zeigt sich an zwei Dingen:

  • einer Untertemperatur, also einer geringeren Körpertemperatur als der Basalwert der Kuh
  • einem Abfall der Wiederkautätigkeit

Der Basalwert ist die normale Körpertemperatur dieser einen Kuh. Kühe haben nicht alle exakt dieselbe Temperatur, sie sind individuell etwas unterschiedlich. Deshalb wird jedes Tier zuerst mit sich selbst verglichen. Weil die Messung kontinuierlich läuft, erkennst du sehr früh, welche Tiere Unterstützung brauchen.

Kerstin Duncker möchte die Ketoseprävention vorantreiben

Ich habe Kerstin im Vorgespräch gefragt, über welche Krankheit sie sprechen möchte. Ihre Wahl fiel auf die Ketose. Aus Kerstins Sicht steht und fällt auf einem Milchviehbetrieb sehr vieles damit, ob du Ketose vermeidest. Viele Folgeerkrankungen haben ihren Ursprung in diesem Energiemangel. Genau dieser Hebel fasziniert sie.

Wie die KI in der Früherkennung immer besser wird

Zusätzlich zu den Kurven gibt es TruAdvice Ketose, die KI-gestützte Krankheitsverdachtsmeldung. Sie erkennt vor erhöhten Ketonkörperwerten im Blut, dass ein Tier auf eine Ketose zuläuft.

Möglich ist das erst seit wenigen Jahren, weil es inzwischen die nötige Datenmenge gibt. Über eine Million Tiere sind mittlerweile mit einem Bolus ausgestattet. Damit lassen sich einem Deep-Learning-Modell sehr viele Beispielmuster von Kühen zeigen, die eine Ketose entwickelt haben.

Neben dem Modell für Ketose gibt es Modelle für Mastitis und Milchfieber. An weiteren Krankheitsverdachtsmeldungen arbeitet das Team mit Hochdruck, mehr durfte Kerstin dazu nicht sagen.

Stört der Magnetbolus?

Nein. Beide liegen nebeneinander im Netzmagen, der Platz reicht dafür ohne Probleme. Der Sensorbolus erkennt sogar den Magneten und zeigt das bei der Einzelkuh an. Damit hast du eine Kontrolle, ob der Magnet dort liegt, wo er liegen soll. Und wenn dein Zettel mit den Notizen verloren geht, kannst du dir eine Liste ausgeben lassen, welche Tiere keinen Magneten haben.

Was du tust, wenn die Meldung kommt

Geh zurück zu dem, was eine Ketose ist: ein Energiemangel. Die Leber ist stark belastet, die Pansenmotilität herabgesetzt, die Kuh mobilisiert Körperfett. Genau das musst du aufhalten.

Kerstin empfiehlt deshalb die Kuh mit aussreichend Wasser zu versorgen. Mit einer Pansenstimulanz und einem schnell verfügbaren Energieträger wie Propylenglykol oder Glycerin. In der Regel reicht das völlig aus, und dafür brauchst du meistens keinen Tierarzt.

Dein Auge bleibt trotzdem gefragt. Das System ersetzt den Betrachter nicht. Schau dir zusätzlich an:

  • Ist der Pansen voll oder leer?
  • Liegen andere Grunderkrankungen vor?
  • Gibt es etwas wie ein Nachgeburtsverhalten, das eigene Behandlung braucht?

„Die hat doch gar keine Ketose"

In der Frühphase nach dem Start des Alarms kam diese Rückmeldung häufig. Landwirte sind zur Kuh gegangen, haben gemessen und keine erhöhten Ketonkörper gefunden.

Kerstins Erklärung: Zu diesem Zeitpunkt sind noch keine Ketonkörper messbar, aber die Kuh ist bereits in der Fettmobilisation. Sie hat viele freie Fettsäuren im Blut und versucht, dieses Fett zu nutzen. Sie ist auf dem Weg, nur noch nicht angekommen.

Genau da setzt die Unterstützung an: Du stabilisierst den Stoffwechsel und hältst das Pansenmikrobiom am Leben, bevor der Teufelskreis richtig losgeht.

Vom Einzeltier zur Herdenfrage

Kerstin hat auf einem Betrieb, den sie lange betreut hat, früher alle Frischmelker in der ersten Woche festmachen lassen, kurz untersucht und am vierten und zehnten Tag die Ketonkörper gemessen.

Das braucht es heute nicht mehr. Unauffällige Tiere kannst du in Ruhe laufen lassen. Es wird deutlich sichtbar, welche Tiere besondere Aufmerksamkeit benötigen und welche nicht.

Der zweite Schritt geht weiter. Wenn du zu viele auffällige Tiere hast, stellt sich die Frage nach der Ursache. Dann schaust du auf:

  • die Körperkondition deiner Tiere zum Trockenstellen
  • Fütterung und Haltung in der Trockenstehzeit
  • die Gestaltung der Transitphase, also der Zeit rund um die Abkalbung

Wenn es die ganze Herde trifft

Gruppenweise Alarme gibt es, und sie erzählen etwas über den Betrieb. Bei Hitzestress zeigt sich deutlich, welche Betriebe ihre Tiere gut kühlen können.

Aufschlussreich wird es auch, wenn eine Grippewelle durch den Bestand geht. Der Tierarzt erkennt früh, dass schon das dritte oder vierte Tier hohes Fieber hat und behandelt werden muss. Dann kann er von den richtigen Tieren Proben ziehen, lange Nasentupfer oder Lungenspülproben, und feststellen, welcher Erreger dahintersteckt und welches Antibiotikum hilft. Das Antibiogramm gibt darüber Auskunft.

Der Zeitgewinn ist erheblich. Nach Kerstins Erfahrung sparen die Betriebe zwei bis drei Wochen, die sie sonst brauchen, um mit der Diagnostik überhaupt anzufangen. Die Grippe geht trotzdem durch den Betrieb, aber Organschäden und Milchleistungseinbrüche fallen deutlich geringer aus.

Was sich für den Tierarzt ändert

Christian hat das Thema aus dieser früheren Podcastfolge mitgebracht: Viele Tierärzte fangen an, weil sie Gutes für die Tiere tun wollen, und merken irgendwann, dass sie vor allem Feuerwehr spielen. Notfalltiere versorgen, während für Prävention keine Zeit bleibt.

Mit den Daten auf dem Betrieb verschiebt sich das. Der Landwirt kann seinem Tierarzt, seinen Beratern und auch seinen Angestellten Zugriff geben. Der Tierarzt arbeitet dann mit der App oder der Webversion, in der mehr zu sehen ist. Im Rahmen der Bestandsbetreuung erkennt er zum Beispiel, welche Alarme in welchem Zeitraum gehäuft auftreten.

Der größere Gewinn liegt woanders. Bisher hat der Tierarzt eine Momentaufnahme: Er kommt auf den Betrieb, untersucht ein Tier und sieht diesen einen Moment. Ob das Tier vor zwei Stunden eine Fieberzacke hatte, weiß er nicht. Und ein Tier im Fressfanggitter ist angespannt und zeigt oft nicht, wo das Problem liegt.

Kerstin hat sich nach einer Schwergeburt oder einer Labmagen-Operation gerne noch einmal die Kurven angesehen und danach Rücksprache gehalten. Braucht das Tier weitere Unterstützung? Genau solche Tiere geraten sonst aus dem Fokus, sobald sie halbwegs laufen und ein bisschen fressen.

Unterm Strich bleibt mehr Zeit für echte Bestandsbetreuung. Weniger akut kranke Tiere, weil früh mit einfachen Maßnahmen eingegriffen wird. Bei dem Nutztierärztemangel, den wir in Deutschland haben, bekommt der Tierarzt so die Chance, Betriebe gezielter zu betreuen und sie weiterzuentwickeln: Fruchtbarkeitskennzahlen, Eutergesundheitskennzahlen und Leistungsdaten gemeinsam anschauen und fragen, wo der Betrieb hinwill.

Praxisbeispiel: nur 40 Liter Wasseraufnahme bei den Trockenstehern

Kerstin war kürzlich auf einem Betrieb mit guter Tiergesundheit und guter Milchleistung. Die Kundenberaterin hatte sie dazugeholt mit dem Gedanken: Der ist schon gut, aber da geht noch mehr, und die haben Lust.

Aufgefallen ist dann, dass die Tiere in der Trockenstehzeit nur rund 40 Liter getrunken haben. Wasseraufnahme und Trockenmasseaufnahme hängen eng zusammen, und gerade in der Trockenstehzeit willst du die Tiere gut auf die folgende Laktation vorbereiten.

Also sind sie auf Ursachenforschung gegangen. Das Ergebnis: Die Durchflussrate der beiden Tränken im Trockensteherstall war zu niedrig, wie so oft in den älteren Kuhställen. Die Kühe konnten gar nicht genug Wasser bekommen.

Der Betrieb hat sofort reagiert und die Rohre ersetzt. Jetzt liegt die Durchflussrate über 20 Liter pro Minute, die Tiere saufen im Schnitt 60 Liter und fressen mehr.

Was die Daten sonst noch sichtbar machen

Die Wasseraufnahme ist das typischste Beispiel. Gerade bei Betrieben, die noch nicht lange dabei sind, gehört sie zu den ersten Punkten, die auffallen und sich verbessern lassen.

Zwei Auffälligkeiten kommen häufig vor: Entweder stimmt die Wasseraufnahme insgesamt nicht, oder die Schwankungen innerhalb der Gruppe sind extrem hoch. Dann geht der Blick in den Stall.

  • Wie sind die Tränken im Stall verteilt?
  • Wie zugänglich sind sie?
  • Wie voll ist der Stall?
  • Gibt es rangniedrige Tiere, die gar nicht ans Wasser kommen?

Eine Sackgasse in Kombination mit der Chefkuh reicht schon. Oder eine Anfütterungsgruppe neben der Abkalbebox mit nur einem schmalen Durchgang: Stellt sich dort eine ranghohe Kuh hin, haben die Färsen verloren.

Für Färsen schlägt Kerstins Herz besonders. Sie schaut sich auf jedem Betrieb an, wie die Tiere in ihr Milchkuhleben hineinkommen. Wie viele Alarme und Abweichungen haben sie im Vergleich zu den Milchkühen? Wie steht es um ihre Fruchtbarkeit?

Wie du deinen Tierarzt mit in die “KI-Welt” nimmst

Christian hat gefragt, was ein Betriebsleiter tun sollte, der seinen Tierarzt bei den Daten mit ins Boot holen will. Kerstins Antwort ist praktisch:

  1. Zugriff gewähren. Der Tierarzt lädt sich die App herunter und bekommt den Webzugriff.
  2. Schritt für Schritt anfangen zu nutzen. Niemand muss am ersten Tag alles verstehen.
  3. Gemeinsame Termine nutzen. Zum Beispiel Online-Fortbildungen vom Anbieter.
  4. Screenshots schicken. Bei auffälligen Tieren geht das schnell und spart Wege.

Was daraus wird, zeigt Kerstins eigenes Beispiel. Nach solchen Screenshots hat sie das Labmagenendoskop eingepackt. In ihrer Praxis waren sie sechs Tierärzte und hatten vier Geräte, da hilft es zu wissen, wo die Wahrscheinlichkeit am größten ist, dass eines gebraucht wird.

Genauso bei einem Gruppenalarm für die Temperatur, also dem Verdacht auf ein infektiöses Geschehen im Bestand. In der Blauzungenzeit war das deutlich zu sehen. Dann packt der Tierarzt zusätzlich Schmerzmittel, Entzündungshemmer und Pansenstimulanz ein, damit bei einem Bestandsproblem genügend Medikamente für alle Tiere dabei sind.

Was die KI leistet und was nicht

Fühlen sich Tierärzte, die Beratung machen, von einem KI-System nicht auf den Schlips getreten? Kerstin trennt das klar. Das System hat nicht den Anspruch, die Beratung zu übernehmen. Es braucht den Landwirt und den Tierarzt, ihre Augen und ihre Erfahrung.

Was die Erkennung von Abweichungsmustern leistet, ist etwas anderes: Sie zieht Aufmerksamkeit auf Tiere, deren Vitalparameter abweichen. Eine Diagnose ist das nicht. Es bleibt eine Krankheitsverdachtsmeldung.

Die Bewertung liegt beim Menschen. Der Tierarzt kann sich mehr auf Prävention fokussieren. Die KI erstzt nicht den Tierarzt, sie hilft Daten zu sichten und eine Vorsortierung zu machen.

Fazit

Bei einer Ketose zählt jeder Tag, den du früher Bescheid weißt. Wenn du die Kuh erst behandelst, wenn die Ketonkörper hochgeschnellt sind, hat der Teufelskreis schon begonnen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick:

  • Der Bolus misst vier Dinge im Netzmagen: Wiederkauaktivität, Aktivität, innere Körpertemperatur und Wasseraufnahme (Über Temperaturabfall).
  • Eine sich anbahnende Ketose zeigt sich an einer Untertemperatur unter dem Basalwert der Kuh und an einem Abfall der Wiederkautätigkeit.
  • Die KI-Meldung kommt Tage, bevor die Ketonkörper im Blut erhöht sind. Sie ist eine Vorsortierung, keine Diagnose.
  • Deine Antwort darauf ist einfach: tränken mit Pansenstimulanz und schnell verfügbarem Energieträger, und das Tier trotzdem selbst anschauen.
  • Häufen sich die Fälle, liegt die Ursache meist vorher: Körperkondition zum Trockenstellen, Trockenstehzeit, Transitphase.

Der erste Schritt kostet dich nichts und braucht kein neues System: Schau dir an, wie viel deine Trockensteher tatsächlich saufen, und miss einmal die Durchflussrate an ihrer Tränke. Unter 20 Litern pro Minute hast du deine erste Baustelle gefunden.

Wenn du mit Daten arbeitest, ist der zweite Schritt genauso konkret: Gib deinem Tierarzt Zugriff und komme mit ihm ins Gespräch. Du kannst diese Podcastfolge mit deinem Tierarzt teilen.

Häufige Fragen zur Ketose bei der Kuh

Ab wann lohnt sich so ein System für meinen Betrieb?

Über die Betriebsgröße haben wir nicht gesprochen. Kerstin’s Beispiel vom Trockensteherstall deutet aber an, worauf es ankommt: Der Betrieb dort war schon gut aufgestellt und hatte Lust, weiterzugehen. Das System deckt Potenziale auf, die dir bisher nicht aufgefallen sind. Nutzen bringt es dir dann, wenn du bereit bist, aus den Daten auch Konsequenzen zu ziehen.

Ersetzt die Meldung den Bluttest?

Die Meldung schlägt früher an. Der Bluttest zeigt Ketonkörper, wenn sie da sind. Die Meldung zeigt also vorher an, dass ein Tier darauf zuläuft. Wenn du in diesem Moment misst, findest du oft noch nichts, weil die Kuh erst in der Fettmobilisation steckt. Es ist aber immer gut im Zweifel einen BHB-Ketontest machen zu können.

Misst der smaXtec-Bolus auch den Pansen-pH?

Der Standardbolus misst ihn nicht. Dafür gibt es optional einen weiteren Bolus, der den Pansen-pH zusätzlich erfasst.

Weiterführende Links

Deine nächsten Schritte

Viel Freude mit deinen Kühen und genieße das Leben

Dein Christian Völkner