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199 | Eutergesundheit ist Managementsache – Prof. Krömker im Gespräch


Wenn im Stall die Zellzahlen steigen, ist der erste Griff oft zum Medikament, Futterzusätzen oder zur Salbe. Aber wer seine Eutergesundheit wirklich nachhaltig verbessern will, sollte woanders anfangen – bei den täglichen Abläufen im Stall.

Genau darüber habe ich mit Prof. Dr. Volker Krömker von der Hochschule Hannover gesprochen.

Er forscht seit über 30 Jahren zur Eutergesundheit und gilt als einer der führenden Experten im deutschsprachigen Raum.

In unserem Gespräch wurde schnell klar: Euterprobleme entstehen selten über Nacht – sondern oft durch kleine Managementfehler, die sich summieren.

Eutergesundheit ist kein Zufall – sondern das Ergebnis von Routine

Wir wünschen uns alle gesunde, langlebige Kühe mit stabilen Zellzahlen. Doch laut Krömker hängt das weniger von Produkten ab, sondern vor allem von gleichbleibend guter Arbeit im Stall. Er sagt:

„Eutergesundheit ist nichts anderes als Management. Sie entsteht durch wiederholte, saubere Abläufe – Tag für Tag.“

Und das ist für mich eine gute Nachricht.

Denn es bedeutet: Ich kann aktiv Einfluss nehmen – durch saubere Boxen, klare Melkroutinen und ein gutes Auge für Details. Wenn man versteht, dass Eutergesundheit kein Glück, sondern Konsequenz ist, verändert sich der Blick auf viele Dinge im Stall.

Drei Wege zu einer gesunden Herde

Im Interview hat Krömker drei Wege beschrieben, die jede Milchkuhherde auf Dauer gesünder machen.

  1. Neuinfektionen vermeiden: Hygiene, Arbeitsstandards und klare Abläufe sind der Schlüssel. Dazu gehört, die Boxen trocken zu halten, regelmäßig zu reinigen und beim Melken konsequent sauber zu arbeiten. Jede vermiedene Infektion ist ein Gewinn für die Herde.
  2. Neuinfektionen früh erkennen und behandeln: Wer Zellzahlen, Milchkontrolle und Tierverhalten im Blick behält, erkennt Entzündungen, bevor sie klinisch werden. Das spart Kosten und Stress – für Mensch und Tier.
  3. Chronisch kranke Tiere rechtzeitig selektieren: Auch das gehört zur Eutergesundheit: Konsequenz. Eine Kuh, die dauerhaft hohe Zellzahlen hat, erhöht den Keimdruck für alle anderen.

Diese drei Wege sind kein Hexenwerk – aber sie erfordern Disziplin und Kontinuität.

Liegebox: Sandboxen hygienisch am besten

Ein Thema, das mich besonders interessiert hat, war die Einstreu und das Liegeboxen-Material. Denn die Box ist der Ort, an dem das Euter den direkten Kontakt mit vielen Umweltkeimen hat.

Sand ist anorganisch und daher Keimarm. Dadurch sinkt das Risiko für Neuinfektionen. Aber Sand hat auch Nachteile: Er ist schwerer im Handling, und sorgt für Verschleiß an Technik und Wegen.

In vielen Betrieben wird Stroh, Kalk-Stroh-Gemische oder separierte Gülle eingesetzt. Das kann auch funktionieren – solange die Boxen trocken, sauber und gleichmäßig gepflegt sind. Es geht also weniger darum, welches Material verwendet wird, sondern wie konstant man es im Griff hat.

Trockene Boxen die auch gut angenommen werden, sind die beste Versicherung gegen Mastitis – womit sie eingestreut sind ist dann eher zweitrangig.

Zwischendesinfektion & Dippen: Versicherung fürs Euter

Ein weiteres Thema im Gespräch war die Zwischendesinfektion beim Melken. Viele fragen sich: Lohnt sich das wirklich? Prof. Krömker vergleicht sie mit einer Versicherung: Wenn man sie weglässt, kann es lange gut gehen – bis plötzlich ein Ausbruch kommt.

Gerade bei kuhassoziierten Erregern (wie Staphylococcus aureus) hilft die Zwischendesinfektion enorm, um Übertragungen zu verhindern. Und auch beim Dipmittel nach dem Melken gilt: Es ist kein Wundermittel, aber ein wichtiger Teil der Routine.

Ob Jod, Chlordioxid oder Milchsäure – viele Mittel wirken, wenn sie regelmäßig und korrekt angewendet werden.

Wichtig ist nur: Die Konzentration muss stimmen. Zu schwach dosierte Mittel sind wirkungslos, zu starke reizen die Haut.

Was wir von den Dänen lernen können

Spannend fand ich auch den Vergleich zwischen Deutschland und Dänemark. In Dänemark ist Eutergesundheit stärker wissenschaftlich geprägt. Empfehlungen werden umgesetzt, Hygienestandards konsequent eingehalten.

In Deutschland hingegen hört man oft Sätze wie: „Mein Nachbar hat das ausprobiert – und schwört drauf.“ Prof. Krömker hat es auf den Punkt gebracht:

„Den Erfolg in der Eutergesundheit kann man nicht kaufen – man muss ihn machen.“

Das trifft den Kern. Denn es sind nicht die Produkte, sondern die Menschen, die den Unterschied machen.

Fazit: Eutergesundheit ist die Folge von gutem Management

Nach diesem Gespräch ist für mich klar: Eutergesundheit ist kein Zufall, sondern konsequent die richtigen Dinge tun und das Tag für Tag.

Wer verstanden hat, dass jedes Detail zählt – von der Einstreu, Melkmaschinenwartung bis zum Dippen –, kann die Zellzahlen langfristig senken. Es braucht keine Wunderlösung, sondern klare Routinen, konsequente Hygiene und ein Team, das Verantwortung übernimmt.

Weiterführende Links

Deine nächsten Schritte

Viel Spaß mit deinen Kühen und genieße das Leben!

Dein Christian Völkner

PS: 17 von 204 Kuhmenschen haben einen einfachen Tipp zum Senken der Neuinfektionsrate ausprobiert. Möchtest du auch praktische Tipps und Hintergrund-Infos rund um Kuhverstand? Komme hier in den kostenfreien WhatsApp-Kanal.