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220 | Schonender Melken: Was kann das dreieckige Zitzengummi leisten?


In dieser Folge nehme ich dich mit in ein Thema, das auf den vielen Höfen unterschätzt wird: die Wahl der Zitzengummis und die Melkroutine. Mein Gast Gunter Schwarz ist gelernter Tierwirt mit Fachrichtung Rinderhaltung, war viele Jahre als Klauenpfleger unterwegs und kümmert sich seit 13 Jahren um schonendes Melken und den gesamten Melkprozess. Er ist Partner von Milkrite und berät Betriebe in Deutschland, Österreich und der Schweiz. In der Folge erfährst du, was dreieckige Zitzengummis anders machen, wann sie sich lohnen und wie du mit einer Nassmessung herausfindest, ob deine Melkanlage wirklich zu deinen Kühen passt.

Was dreieckige Zitzengummis anders machen als runde

Gunter Schwarz war zunächst selbst skeptisch, als er zum ersten Mal von dreieckigen Zitzengummis gehört hat. Sein erster Gedanke: eine reine Marketingaktion, schließlich sind Zitzen bei einer Kuh rund und nicht dreieckig. Je intensiver er sich damit beschäftigt hat, desto einleuchtender wurde für ihn der Unterschied.


Ein runder Zitzengummi kollabiert beim Melken und drückt die Zitze einfach zusammen. Ein dreieckiger Zitzengummi arbeitet dagegen eher wie eine Hand, die melkt: Er umschließt die Zitze, statt sie zusammenzupressen. Das Ergebnis ist ein mechanisch schonenderes Melken. Deshalb stehen vor allem Jungkühe beim Melken mit dem Dreiecksgummi ruhiger als mit dem runden Gummi.


Ein Beispiel fürs Verständnis: Faltest du ein Blatt Papier in drei gleiche Seiten, entsteht ein Dreieck. Drückst du die Wandungen zusammen, bleibt in der Mitte ein Loch übrig. Genau dort, wo dieses Loch entsteht, sitzt beim Zitzengummi der Schließmuskel.

Das ist bei den runden Zitzengummis das eigentliche Problem: Mindestens 20 Prozent der Milchkühe haben weiße Ringe am Schließmuskel. Diese Ringe (Hyperkeratosen) sind nichts anderes als Hornhaut. Sie verhindern, dass sich der Strichkanal nach dem Melken schnell schließt, und erhöhen damit die Gefahr, dass Erreger ins Euter gelangen. Hornhaut bietet zusätzlich mehr Oberfläche für Keime.

Wann sich dreieckige Zitzengummis lohnen und wann nicht

Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht, sagt Gunter Schwarz offen. Wird vorher eine Nassmessung gemacht, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die Umstellung funktioniert, bei etwa 85 bis 90 Prozent. 


Es gibt aber auch Betriebe, bei denen der Wechsel nicht passt. Besonders betroffen sind Betriebe mit älteren Fleckvieh-Zuchtlinien, deren Kühe noch relativ große und unempfindliche Zitzen haben. Bei diesen Tieren kommt beim Dreiecksgummi zu wenig mechanischer Reiz an. Die Folge: Es wird zu wenig Oxytocin ausgeschüttet, und die Milch fließt nicht richtig. In solchen Fällen kann es nötig sein, wieder auf den runden Gummi zurückzurüsten.


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Ziel muss es sein, den Milchentzug zu beschleunigen, bei gleichzeitiger Verbesserung der Eutergesundheit und Zitzenkondition. D.h. dass MILKRITE Produkte nicht nur zur Problembehebung eingesetzt werden, sondern auch eine gut funktionierende Melkarbeit verbessern kann.

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Zitzengummis am Melkroboter: die Rolle der Kopfbelüftung

Beim Melkroboter funktionieren dreieckige Zitzengummis laut Gunter Schwarz genauso gut wie beim konventionellen Melken. Es gibt sogar einen zusätzlichen Vorteil, wenn dabei die Kopfbelüftung genutzt wird. Roboter fahren ein höheres Anlagenvakuum, weil bei ihnen kein Blindmelken stattfindet. 


Das führt allerdings zu mehr Riesbrey, also Rückspray der Milch. Die Kopfbelüftung gleicht das aus.

Kopfbelüftung bedeutet: Eine definierte Bohrung am Kopf des Zitzengummis leitet die Luftzufuhr von oben statt von unten. Schließt der Zitzengummi, bleibt die Milch stehen wie beim manuellen Melken auch. Öffnet er sich wieder, fließt die Luft mit der Milch von oben nach unten, statt zurückzuschlagen. Die Zitze wird dadurch nicht mit der eigenen Milch gespült. Gunter Schwarz vergleicht das mit einer Flasche, die eine zu kleine Öffnung hat: Schüttest du sie zu schnell aus, spritzt die Flüssigkeit zurück an den Flaschenboden, weil Luft und Flüssigkeit sich in der engen Öffnung in die Quere kommen.


Bei den von Gunter Schwarz betreuten Betrieben wird die Kopfbelüftung bei 96 bis 98 Prozent der dreieckigen Zitzengummis eingesetzt. Die Kombination aus weniger mechanischer Belastung und weniger Rückspray bringt in der Regel eine deutliche Verbesserung der Eutergesundheit, abhängig vom Ausgangswert. Bei bereits niedrigen Zellzahlen ist die Wirkung gering. Da der Schnitt in Deutschland aber bei über 200.000 Zellen liegt, ist auf vielen Betrieben noch Potenzial vorhanden.

Nassmessung statt Kundendienst: der Unterschied zur DIN-Norm-Prüfung

Seit 2008 gibt es eine DIN-Norm auch für Melkroboter. Damit ließe sich vermuten, dass eine Prüfung nach DIN-Norm ausreicht. Gunter Schwarz macht hier einen klaren Unterschied: Beim klassischen Kundendienst wird geprüft, ob die Melkanlage unabhängig von den Kühen der DIN-Norm entspricht. Eine Nassmessung dagegen misst, wie der Name schon sagt, während die Anlage tatsächlich nass ist, also während des Melkens.

Die Melkanlage an die Kühe anpassen, nicht umgekehrt

Jede Rasse und jede Herde ist unterschiedlich, sagt Gunter Schwarz. Eine Anlage, die auf Holsteins eingestellt ist, passt nicht automatisch zu älteren Fleckvieh-Zuchtlinien, die tendenziell langsamer melken. Läuft die Melktechnik trotzdem mit einer Holstein-Einstellung, funktioniert das Melken zwar irgendwie, aber nicht optimal. Die Folgen sind zu lange Melkzeiten, mehr Nacharbeit und Probleme mit dem Zellgehalt.


Bei der Nassmessung werden zwei Datenlogger eingesetzt. Dazu kommen Sensoren am Kopf des Zitzengummis, am Sammelstück und in der Nähe der Zitzenspitze. Während der Landwirt oder der Roboter ganz normal melkt, erfasst das System 200 Datenpunkte pro Sekunde. So lässt sich sehen, ob richtig angerüstet wurde oder ob es zu Blindmelken kommt.

Richtiges Anrüsten: der unterschätzte Faktor für schnelles Melken

Anrüsten ist nach Einschätzung von Gunter Schwarz in Mitteleuropa ein mittelgroßes, aber weit verbreitetes Problem. Viele Landwirte verzichten darauf, weil es Zeit kostet und weil beim Ansetzen ohnehin schon Milch läuft. Diese erste Milch ist allerdings nur die Zisternenmilch, die ungefähr ein Drittel der Gesamtmilchmenge ausmacht. Die restlichen zwei Drittel sind Alveolarmilch, und die fließt nur, wenn genug Oxytocin ausgeschüttet wird. Das passiert wiederum nur, wenn vorher richtig angerüstet wurde.


Für das Zeitfenster gilt: Mit der ersten Berührung an der Zitze, dem Vormelken, beginnt die Zeit zu laufen. Frühestens nach 60 Sekunden und spätestens nach 120 Sekunden sollte das Melkzeug angesetzt werden. Ideal sind etwa 90 Sekunden.

Ist das Anrüsten gut genug, fließt die Milch schnell und gleichmäßig, ohne dass zwischendurch eine Delle im Milchfluss entsteht. Das wirkt sich direkt auf das Vakuum an der Zitze aus: Je voller die Melkanlage mit Milch ist, desto niedriger ist das Vakuum am Zitzenende. Als Beispiel nennt Gunter Schwarz eine Anlage mit 43 kPa, bei der das Vakuum an der Zitze bei vollem Milchfluss auf etwa 32 kPa sinkt. Genau das ist das Ziel: schnelles und gleichzeitig schonendes Melken.


Ein pauschal ideales Vakuum gibt es dabei nicht, weil jedes System anders aufgebaut ist. Manche Melktechnikfirmen fahren zum Beispiel ein hohes Anlagenvakuum, dämpfen es aber über einen langen, mit Milch gefüllten Milchschlauch ab.

Silikon oder Nitril: welcher Zitzengummi zu welcher Herde passt

Silikon ist ein weiches, grobporiges Material, das sich gut an unterschiedliche Zitzengrößen anpasst. Bei Herden mit uneinheitlichen Zitzenmaßen ist das ein Vorteil. Nitril braucht dagegen eine Herde mit einigermaßen einheitlichen Zitzenmaßen, liefert dann aber ein besseres Melkergebnis als Silikon.


Ein Wechsel zwischen den beiden Materialien ohne vorherige Nassmessung ist laut Gunter Schwarz als Lotteriespiel. Ist eine Anlage etwa auf Nitril eingestellt und wird auf Silikon umgestellt, entsteht ein deutlich härteres Melken, weil Silikon weniger Eigenspannung hat und stärker nachgibt. Deshalb rät er dazu, jede Umstellung mit einer Nassmessung zu begleiten.

Typische Fehler bei der Melktechnik-Einstellung

Das mit Abstand größte Problem, das Gunter Schwarz bei seiner Arbeit sieht, sind falsch dimensionierte Zitzengummis. Nach seiner Erfahrung müssen bei mindestens 70 Prozent der Tiere in einer Herde die Größe des Zitzengummis zu den Zitzen passen. In der Praxis liegen viele Betriebe hier deutlich drunter.


Ein weiterer Punkt betrifft die Melkschläuche. In Deutschland sind 16 Millimeter Durchmesser üblich, in den USA werden teils größere Querschnitte verwendet. Bei hohem Milchfluss können 16 Millimeter zu gering sein: Die Milch geht dann nicht schnell genug ab, das Vakuum sinkt zu stark, und im Extremfall fallen die Melkzeuge herunter. Besonders betroffen sind Betriebe, die ihre Milchleistung stark gesteigert oder auf eine schnellmelkende Rasse gewechselt haben, ohne die Leitungen entsprechend anzupassen.

Melkpersonal und Hygiene: wo es oft hakt

Neben der Technik spielt für Gunter Schwarz auch das Melkpersonal eine große Rolle. Das größte Thema bleibt auch hier das Anrüsten. Dazu kommt der Umgang mit den Tieren, besonders wenn Fremdarbeitskräfte im Einsatz sind: Wird zu wenig sanft gemolken, sind die Kühe gestresster es fließt weniger Oxytocin, und sie werden nicht richtig leer. Euterkrankheiten werden so begünstigt.

Eine minimale, aber vollständige Melkroutine

Gunter Schwarz ist ein Freund davon, Abläufe auf das Nötigste einzudampfen, ohne dabei an Qualität zu verlieren. Für Melkstände mit sechs bis acht Kuhplätzen in einer Reihe beschreibt er folgenden Ablauf:

  • Vormelken in ein separates Gefäß
  • Einschäumen mit einem Biozid im Zuge der Eutervorreinigung
  • Abtrocknen mit Papier oder klebsiellenfreier Holzwolle
  • Ansetzen des Melkzeugs nach etwa 60 bis 120 Sekunden, ideal nach rund 90 Sekunden
  • Nachgriff an jedem Viertel, um zu prüfen, ob die Kuh wirklich leer ist

Wann sich eine Überprüfung der Melktechnik lohnt

Ruft ein Landwirt bei Gunter Schwarz an, fragt er zuerst nach der Fütterung. Passt die Fütterung nicht, lässt sich das Eutergesundheitsproblem über die Melktechnik allein nicht lösen. Häufig haben die Betriebe, die sich melden, schon länger Probleme mit der Eutergesundheit und zuvor bereits mit ihrem regionalen Melktechniker oder Berater nach Lösungen gesucht, etwa über ein anderes Dippmittel oder eine andere Eutervorreinigung.


Typische Anrufer haben Zellzahlen von 250.000 und mehr über einen längeren Zeitraum. Die Nassmessung dient dabei auch zum Ausschließen: Findet sich an der Melktechnik nichts, ist das ebenfalls ein Ergebnis, und die Ursachensuche muss in eine andere Richtung gehen.

Worauf bei der Neuanschaffung von Melktechnik zu achten ist

Bei einer Neuanschaffung rät Gunter Schwarz dazu, die künftige Entwicklung des Betriebs mitzudenken. Häufig bauen Betriebe neu und stellen nach wenigen Jahren fest, dass die Anlage bereits zu klein ist. Sinnvoll ist deshalb, Flexibilität einzuplanen, etwa einen Doppel-Sechser-Melkstand zu bauen, aber die Option auf einen Doppel-Achter oder Doppel-Zehner offenzuhalten, ohne gleich ein neues Melkhaus errichten zu müssen. Ob Fischgräten- oder Side-by-Side-System zum Einsatz kommt, ist für ihn dagegen Geschmackssache.

Fazit

Zitzengummis sind mehr als eine Formfrage. Ob dreieckig oder rund, Silikon oder Nitril: Ohne eine Nassmessung, die während des tatsächlichen Melkens misst, bleibt jede Entscheidung ein Rätselraten.


Genauso wichtig wie die Technik ist das richtige Anrüsten, denn ohne ausreichend Oxytocin fließt selbst mit dem besten Zitzengummi nicht die volle Milchmenge. Wer das Melken umfassend betrachtet, schafft die Grundlage für ein schnellen und gleichzeitig schonenden Milchentzug.

Weiterführende Links

Deine nächsten Schritte

Viel Freude mit deinen Kühen und genieße das Leben!

Dein Christian Völkner