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219 | Mehr Lebensqualität in der der Milchviehhaltung erreichen – Mindset und Strategie


Du kennst den Spruch sicher. Nur wenn es der Kuh gut geht, kann sie leisten. Für die Menschen in deinem Team gilt das auch: Nur wenn es dem Menschen gut geht, kann er viel leisten. Kurzfristig kannst du sicher auch mal mehr leisten als es eigentlich gut ist, aber auf längere Sicht gibt es dann die Quittung in Form von Burnout oder Unzufriedenheit.

In diesem Artikel bekommst du meine Gedanken zur Lebensqualität in der Milchviehhaltung. Du erfährst, warum ich das Ganze mit einer Treppe vergleiche, warum es zwischendurch ein paar Stufen abwärts geht.

Mein Ziel mehr Lebensqualität für Kuhmenschen und ihre Herde

Der Begriff ist weit. Da kann jeder etwas hineininterpretieren, Lebensqualität kann für jeden etwas anderes sein und das finde ich auch gut so.

Für mich schlägt sich Lebensqualität in drei Dingen wieder. Den Kühen geht es gut, sie Leisten viel und können dabei ohne große Probleme alt werden. Die Kommunikation auf dem Hof ist effizient und es ist ein Miteinander und nicht gegeneinander. Das Ergebnis ist Freude an der Arbeit.

Definiere was für dich Lebensqualität ist:

  • Wann geht es dir richtig gut?
  • Woran erkennst du das?
  • Worauf willst du hinarbeiten?

Das Bild von der Treppe: Zwei gesunde Beine verhelfen zum Aufstieg

Die Kuh leistet. Damit kommt Geld rein, du bist handlungsfähig und kannst daraus Lebensqualität für die Menschen erreichen. Das ist eine gute Sache.


Andersrum gilt es genauso. Wenn es dir gut geht, dann triffst du gute Entscheidungen. Dann hast du Kraft, an wichtigen Stellschrauben zu drehen. Dann erkennst du Dinge, optimierst beispielsweise die Tränken und bist voll engagiert. Und das wirkt sich wieder auf die Lebensqualität deiner Kühe aus.


Es ist ein Miteinander. Ich vergleiche das mit dem Hochlaufen einer Treppe. Das eine Bein ist die Lebensqualität deiner Tiere, das andere Bein die Lebensqualität der Menschen auf deinem Hof.

Stell dir vor: Du möchtest eine Treppe hoch und konzentrierst dich nur auf ein Bein. Du stellst es vier Treppenstufen höher. Damit kommst du kaum nach oben. Das ist kein natürliches Laufen. Zwei Stufen auf einmal nehme ich selbst manchmal, wenn ich es eilig habe. Das geht auch nur, solange die Stufen nicht zu groß sind.


Der natürliche Weg ist Stück für Stück. Entweder gehst du erst mit den Kühen ein Stückchen hoch und dann mit der Lebensqualität der Menschen, oder andersrum.

Warum es erst mal abwärts geht

Nehmen wir an, du willst die Lebensqualität deiner Kühe verbessern. Bessere Liegeboxen.


Am Tag des Umbaus steigt da erst mal gar keine Lebensqualität. Im Gegenteil du hast Lärm und Baustaub im Stall. Die Kühe haben weniger Platz und können in den Boxen nicht liegen, während du daran arbeitest. Vielleicht sind noch fremde Leute im Stall, die dir helfen. Die Lebensqualität deiner Kühe sinkt.


Und im Nachgang, wenn alles fertig ist, dann schnuppern sie in die neue Liegebox rein und denken: oh, was ist das denn Gutes hier? Dann nehmen sie die neuen Boxen langsam besser an, als die alten. Der Kuhkomfort steigt.


Bei den Menschen im Team läuft es genauso. Oft gibt es erst etwas Unangenehmes, wo du durch musst.

Bei mir in der Familie habe ich mal ein Klärungsgespräch eingefordert. Ich habe mit einer Person meine Themen gehabt, es ging um etwas Grundsätzliches. Also habe ich gesagt: wir müssen mal miteinander reden, ich möchte, dass wir uns in Ruhe zusammensetzen und darüber sprechen.


Solche Gespräche sorgen erst mal für Missmut und für schlechte Stimmung auf dem Hof. Das sind Phasen, durch die man manchmal durch muss.


Deshalb passt das Bild von der Treppe so gut. Es geht auch mal ein paar Stufen abwärts. Und dann kommt eine neue Treppe, die höher hinaufführt. Zu der kommst du nur, wenn du die paar Stufen vorher runtergegangen bist. Linear gebaut ist das Ganze nicht.


Für das Reflektieren im Team können diese Fragen helfen

  • Wie können wir das miteinander verbessern?
  • Wie können wir dafür sorgen, dass jeder gut arbeiten kann?
  • Wie können wir uns (besser) zuarbeiten?
  • Wo braucht jemand Unterstützung/Wissen/Übung?

Deine Ziele kennen aber nicht jedes teilen

Ich finde das ganze Thema der Denkweise, Vorankommen und wo will ich eigentlich hin, das kommt in der Landwirtschaft noch viel zu kurz.


Wichtig ist, dass du selbst definierst, was für dich Lebensqualität ist und mit welchen Zielen du weiter möchtest. Und dass du über die Ziele auf dem Hof sprichst, auch über die der anderen. Was ist den Menschen wichtig?


Wenn du deine Ziele klar hast, kannst du daran arbeiten. Achtung: Jedes Ziel mit jedem zu teilen, das macht keinen Sinn.

Zielerreichung bedeutet, dass du dich veränderst. Und das Umfeld hat daran nicht immer ein Interesse. Du bist dann schwerer einschätzbar. Du bist vielleicht nicht mehr so gut zu steuern wie vorher.

Ich meine damit gar nicht, dass Menschen sich Böses wollen. Unterschiedliche Ziele auf einem Hof finde ich normal. Menschen haben ihre Ziele, und die sind manchmal andere als die von anderen. Wichtig ist, dass du deine kennst, präsent hast, dir vor Augen hältst und sie in gangbare Schritte runterbrichst.


Die lange Sicht und gangbare Schritte

Zwei Dinge sind entscheidend. Eine lange Sicht. Und gangbare Schritte.

Beim Kuhverstand-Podcast habe ich das selbst erlebt. Hätte ich ihn nach einem Jahr beurteilt, dann hätte ich meine Ziele damit nicht erreicht und aufhören müssen. Es hat nicht so gut gestartet, wie ich es mir vorgestellt habe.

Ich habe aber langfristig auf die Sache geschaut und gesagt: die Richtung ist die richtige, ich glaube daran. Und ich werde damit meine Ziele erreichen. Genau das ist dann gekommen. Heute habe ich Abrufzahlen, die ich mir damals nicht hätte träumen lassen. Wachsen darf es gerne weiter.

Lebensqualität lässt sich einüben

Noch ein Tipp: Lebensqualität lässt sich sogar einüben. Du kannst Chancen nutzen und Gewohnheiten etablieren, die für mehr davon sorgen.

Das kann ein Mittagsschlaf sein, den du konsequent durchziehst. Wenn die Zeit eng ist, reduzierst du ihn eben auf drei Minuten. Oder noch kürzer. Es könnte eine sonntägliche Teezeit sein. Oder eine Gewohnheit zusammen mit deinem Partner.


Wichtig ist, dass du dir die Sachen rausnimmst, die dir gut tun, und dann sagst: das ziehe ich durch.

Dazu gehört auch, wo du eigentlich hinschaust. Auf das Begrenzte und das Negative? Oder entdeckst du die Dinge, die gut sind, die man genießen kann, woran du Freude haben kannst? Jeder Tag hat davon etwas, und wenn es nur Kleinigkeiten sind. Selbst wenn es die Erkenntnis ist, dass etwas nicht gut läuft: diese Erkenntnis ist wertvoll, da kannst du weiter dran arbeiten.

Aus „viel Spaß" wird „viel Freude"

Meinen Abschlusssatz kennst du wahrscheinlich: viel Spaß mit deinen Kühen und genieße das Leben. Das Leben genießen ist eine Entscheidung, die du treffen kannst.


Spaß ist für mich eher etwas Kurzfristiges. Freude geht tiefer und hält länger. Und genau das wünsche ich dir von Herzen.

Deshalb heißt es in Zukunft: viel Freude mit deinen Kühen und genieße das Leben.

Fazit

Lebensqualität in der Milchviehhaltung hängt an zwei Beinen. Den Tieren und den Menschen auf dem Hof. Beide gehen die Treppe gemeinsam hoch, Stufe für Stufe.


Rechne damit, dass es zwischendurch abwärts geht. Beim Liegeboxen-Umbau, beim Klärungsgespräch im Team. Diese Stufen führen zur nächsten Treppe.


Deine eigenen Ziele tragen dich dabei, wenn du sie kennst und präsent hältst. Mit langer Sicht und gangbaren Schritten. Und mit Gewohnheiten, die dir gut tun.

Deine nächsten Schritte

Geh einen der beiden Schritte in den nächsten 72 Stunden:

A: Schreib für dich auf, woran du merkst, dass es dir gut geht. Drei Punkte reichen.

B: Sprich mit einer Person auf deinem Hof über ihre Ziele. Frag, was ihr wichtig ist.


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Mehr Lebensqualität für deine Herde, dich und das ganze Hof-Team gibt es im Club der alten Kühe: kuhverstand.de/club

Weiterführende Links

Viel Freude mit deinen Kühen und genieße das Leben!

Dein Christian Völkner