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206 | Als Frau den Betrieb übernehmen – ohne Kompromisse


Ruth Bogena hat nicht nur 14 100.000-Liter-Kühe hervorgebracht, sie ist geht ihren Weg, auch wenn er ungewöhnlich ist.

Seit 2007 führt sie ihren eigenen Milchviehbetrieb. Fünf Kilometer entfernt bewirtschaftet ihr Partner ebenfalls einen Hof. Seit 14 Jahren sind sie ein Paar und trotzdem haben sie sich bewusst dagegen entschieden, ihre Betriebe zusammenzulegen.

Zwei Betriebe und trotzdem ein Team

Ruth und ihr Partner arbeiten zusammen. Sie helfen sich gegenseitig bei der Ernte, teilen Maschinen, ziehen Tiere füreinander auf und setzen sich einmal im Jahr zusammen, um abzurechnen. Nicht auf den letzten Cent genau, aber fair.

Was sie nicht teilen, ist die unternehmerische Verantwortung.

  • Jeder führt seinen Betrieb selbst.
  • Jeder trifft seine Entscheidungen.
  • Jeder trägt die Konsequenzen.

Das schafft Augenhöhe und kann auch zusammenschweißen.

Zwei unabhängige Höfe trotz Partnerschaft

Ruth hat früh gespürt, dass sie mit Kühen arbeiten möchte. Sie wählte ihren Weg der eigeständigen Landwirtin. Das war in ihrer Generation keineswegs selbstverständlich. Frauen, die Landwirtschaft gelernt und allein übernommen haben, waren rar. Oft wurden Betriebe zusammengelegt – meist wechselte die Frau auf den Hof des Mannes.

Für Ruth war klar: Das ist nicht ihr Weg. Ein nicht zu verachtender Vorteil von 2 unabhängigen Betrieben: Man begegnet sich mehr auf Augenhöhe, wenn beide für ihren eigenen Hof Verantwortlich sind.

Wertschätzung heißt auch: Dinge sauber regeln

Viele Frauen arbeiten über Jahre auf landwirtschaftlichen Betrieben mit. Sie übernehmen Kälber, Büro, Organisation, Haushalt - häufig weit mehr als nur unterstützende Tätigkeiten. Offiziell angestellt sind sie jedoch oft nicht. Eigene Sozialversicherung, klare vertragliche Regelungen oder Rentenansprüche? Fehlanzeige! Solange alles gut läuft, scheint das kein Problem zu sein.

Doch wenn es zur Trennung kommt, dann kann daraus eine schwierige Situation entstehen. Dann steht plötzlich die Frage im Raum: Was war meine Arbeit wert? Und was bleibt davon?

Ruth spricht offen darüber, dass Wertschätzung auch heißt, Dinge sauber zu regeln. Nicht aus Misstrauen, sondern aus Verantwortung.

Offene Gespräche statt spätes Erwachen

Was in dieser Folge immer wieder anklingt, betrifft viele Höfe: Man spricht oft zu spät.

Gerade unangenehme Gespräche, bringen dich voran und in ein persönliches und oft auch betriebliches Wachstum. Diese Gespräche entscheiden häufig darüber, ob ein Betrieb langfristig stabil bleibt oder ob Konflikte entstehen, die man hätte vermeiden können.

Fazit: Achte auf deine Wünsche und bedenke Worst-Case

Jeder Betrieb lebt von den Menschen auf dem Hof. Die Bedürfnisse sind an vielen Stellen unterschiedlich und dürfen es auch sein. Wichtig ist, dass darüber gesprochen wird und du es auch in der Organisation und den Vertraglichen dingen beachtest.

Den Worst-Case von Trennung, Krankheit und Todesfälle durchspielen, hat nichts mit Schwarzmalerei zu tun. Es ist einfach ein Zeichen von Professionalität und zeigt, dass dir die Menschen und der Hof wichtig sind.

Weiterführende Links

Deine nächsten Schritte

Viel Spaß mit deinen Kühen und genieße das Leben!

Dein Christian Völkner