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216 | Milchfieberprophylaxe: Calciumaufnahme im Pansen gezielt steigern


Du hast eine Kuh, die wackelig aussieht. Du gibst Calcium in die Vene, eine halbe Stunde später steht sie fitter da. Und am nächsten Morgen macht sie wieder Probleme. Über genau dieses Bild habe ich mit Dr. Katharina Schrapers gesprochen. Sie ist Biologin und Mitgründerin von PerformaNat (Sponsor dieser Folge) und beschäftigt sich seit Jahren mit der Frage, wie die Kuh Calcium eigentlich aufnimmt. In dieser Folge gehen wir zusammen die Milchfieberprophylaxe durch: welche Wege es gibt und wie sie funktionieren. 

Diese Folge ersetzt keine Fütterungsberatung und keine tierärztliche Beratung. Wir teilen unsere Erfahrung und unseren aktuellen Wissensstand.

Calcium ist wichtig fürs Immunsystem

Calcium steuert jede Muskelbewegung, und dazu gehört mehr, als du auf den ersten Blick vermutest: Der Zitzenmuskel muss schließen, die Gebärmutter muss kontrahieren, um sich zu reinigen, der Pansen muss arbeiten, damit die Verdauung läuft.

Dann kommt das Immunsystem dazu. Calcium ist ein Botenstoff. Fehlt es, können die Immunzellen nicht mehr richtig miteinander reden. Um die Kalbung ist das Immunsystem ohnehin heruntergefahren, weil die Kuh vorher das Kalb nicht abstoßen sollte. Kommt jetzt noch ein Calciummangel dazu, entstehen die vielen typischen Probleme nach der Kalbung.

Das eigentliche Problem siehst du nicht

Die festliegende Kuh erkennt jeder. Das ist klinisches Milchfieber. Teuer wird im Betrieb aber das subklinische Milchfieber: Die Kuh hat zu wenig Calcium, sodass ihr Körper nicht mehr rund läuft. Als Fluchttier verbirgt sie allerdings, dass es ihr nicht gut geht.

Messen kannst du es kaum. Denn jede Kuh hat ihre eigene Dynamik. Bei der einen ist der Wert direkt zur Kalbung am tiefsten, bei der nächsten erst 24 Stunden später. Du misst immer nur eine Momentaufnahme.

5 Wege der Milchfiebervorsorge

1. Calcium spritzen

In die Vene nur bei festliegenden Kühen, damit sie schnell wieder aufstehen kann. Solange die Kuh steht, bringt eine venöse Infusion schnelle hohe Schwankung und damit die eigene Regulation im Körper durcheinander. Sehr schnelles Calcium hat auf längere Sicht also auch immer einen gewissem Preis. Unter die Haut flutet es schnell an und ist aber auch schnell wieder weg. Die Kuh sieht kurz besser aus und fällt verspätet ins Loch.

2. Orale Gabe über Bolus oder Gel

Hier macht die Calciumquelle einen wichtigen Unterschied. Häufig verwendet werden die schnell verfügbaren Quellen Calciumformiat oder Calciumchlorid. Chlorid entwickelt jedoch beim Auflösen Hitze, und weil der Pansen rund die Kalbung wenig kontrahiert, liegt der Bolus auf dem Gewebe auf. Die Hitze kann zu Schäden an der Pansenwand führen. Calciumformiat ist schonender, da es keine Hitze beim Lösen entwickelt. Achte auch auf die Menge: Manche Produkte haben nur 12 Gramm pro Gabe, für eine gute Milchfieberprophylaxe werden aber mindestens 50 Gramm Calcium pro Tag benötigt.

3. Vitamin-D3-Injektion vor der Kalbung

Aktiviert die Knochenmobilisation. Wird gerade kritisch hinterfragt, weil Vitamin D entzündungshemmend wirkt. Die Entzündung brauchst du aber, damit sich die Nachgeburt löst. In einer Untersuchung mit 11 Herden und 446 mehrkalbigen Kühen zeigte sich mehr Nachgeburtsverhalten und mehr Metritis.

4. Calciumarme Fütterung und Phosphorbinder

Die calciumarme Fütterung ist bei den heutigen Leistungsniveaus und Futtermitteln in der Regel kaum möglich. Mit Phosphorbinder im Volksmund auch Caciumbinder genannt, kannst du dem Körper einen Mangel vorgaukeln, damit er den Calcium aus den Knochen mobilisiert. Praktisch schwer umzusetzen, die Dosierung ist heikel, und länger als 14 Tage ist nicht empfehlenswert, sonst wäscht man zu viel Knochen aus.

5. Saure Salze und DCAB-Fütterung

Etabliert, in den USA fast flächendeckend. Du senkst die Kation-Anion-Bilanz und kontrollierst das über den Urin-pH, einmal pro Woche bei mindestens 8 bis 10 Tieren. Am besten nur die letzten drei Wochen vor der Kalbung und dann konsequent. Ein Clubmitglied fährt genau so und hat viele alte Kühe.


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Calcium- und Stickstoffaufnahme kann im Pansen durch die richtigen pflanzlichen Wirkstoffe gesteigert werden

Julia und Katharina haben in ihren Doktorarbeiten an der Freien Universität Berlin gefunden, dass sogenannte TRP-Kanäle für die Aufnahme von Calcium und Stickstoff im Pansen verantwortlich sind. Die Aufnahme kann mit bestimmten pflanzlichen Wirkstoffen deutlich gesteigert werden. So wird Calcium schneller ins Blut transportiert und auch Stickstoff. Mehr Stickstoff aus dem Pansen ins Blut heißt: Die Leber baut daraus eher Glutamin was für Milchprotein und das Immunsystem benötigt wird. In einer Fütterungsstudie am Versuchsgut Futterkamp kam bei gleicher Futteraufnahme mehr Milch raus, also eine bessere Futtereffizienz, dazu niedrigere BHB-Werte und weniger Harnstoff.


Mein Fazit

Finde deinen eigenen Weg in der Milchfieberprophylaxe. Du brauchst auch nicht alle Kühe über einen Kamm scheren.


Bei einer Zweitlaktierenden reicht vielleicht wenig, bei der vierten fängst du früher an. Wichtig ist, dass du die Prozesse verstehst und dann für deinen Betrieb entscheidest, was passt. Gerade bei den älteren Kühen zahlt es sich aus, schon mal einen Calcium-Bolus vor der Kalbung einzugeben, etwa 12 bis 4 Stunden vorher, wenn die Beckenbänder weicher werden.

Viel Freude mit deinen Kühen und genieße das Leben!

Dein Christian Völkner

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