In dieser Folge nehme ich dich mit auf die Rückschau zu meinem Live-Event: Was lief gut, was hat mich überrascht, was nehme ich selbst mit? Und am Ende gibt es einen Impuls für dich, damit du das Miteinander auf deinem Hof weiter voranbringen kannst.
Was ist die Clubtour
Den Club der alten Kühe gibt es seit 2019. Einmal im Monat schalten wir uns online zusammen, tauschen uns aus, lernen voneinander. Das ist das Fundament. Aber 2020 kamen die ersten Clubmitglieder auf mich zu: “Christian, organisier mal was. Wir wollen uns persönlich sehen.”
So entstand die Clubtour. Zwei Tage, Mitgliedsbetriebe besichtigen, gemeinsam essen, den Abend ausklingen lassen. Das Format klingt einfach — und ist trotzdem jedes Mal wieder etwas Besonderes.
Warum? Die Mitglieder kennen sich schon von den Zoom-Treffen und durch das Vorort-Treffen wird der Austausch einfach noch offener. Das ist kein Gefühl, das ist Erfahrung aus mittlerweile fünf Jahren.
Der Schockanruf und was daraus wurde
Zwei Betriebe waren für die Clubtour 2026 eingeplant: Daniel Klinkhammer und Ralf und Tanja Beul. Dann kam im Februar ein Anruf von Daniel. Große OP steht an. Alle Termine werden abgesagt. Wie es ausgeht, ist unsicher. Das nimmt einen mit. Rein menschlich. Und es gilt dann natürlich ans Umorganisieren. Werde ich eine Alternative finden?
Tobias Meutes ist eingesprungen. Eine Stunde fünfzehn Minuten Fahrt statt 5 Minuten Fahrt zu Daniel.
Die OP von Daniel lief gut, er erholte sich schneller als gedacht. Und er war beim Abendessen dabei und lud spontan zum Hofrundgang ein. "Wenn ihr wollt, können wir noch kurz auf meinen Betrieb." Alle haben mitgemacht. Der Ausklang in der Hotelbar wurde kurzer Hand nach hinten geschoben. Betriebsrundgang bei Abendruhe, improvisiert — einer der besten Momente der ganzen Tour.
Das ist es, was passiert, wenn Menschen persönlich werden. Pläne ändern sich. Und manchmal wird genau daraus das Beste.
Was ich bei den Betriebsbesichtigungen gelernt habe
Ich hatte eine wichtige Erkenntnis für bessere Hofrundgänge: Der Betriebsleiter muss selbst einen Fokus setzen.
Zu Ralf und Tanja habe ich vor der Besichtigung gesagt: Da kommen Leute von Schleswig-Holstein bis Schweiz. Die haben einen anderen Blick. Die sind anders geprägt. Das ist eine Riesenchance — wenn ihr sie nutzt. Also: Wo habt ihr eine Baustelle? Wo wollt ihr einen ehrlichen Blick von außen?
Der Ball wurde aufgenommen. Das Thema war Eutergesundheit. Was folgte, waren 45 Minuten im Melkstand. Staph. aureus, Umgang damit, konkrete Überlegungen, Erfahrungsaustausch. Kein Vortrag, kein Berater der etwas verkaufen will. Kuhmenschen, die konstruktiv und wertschätzend miteinander reden.
Sowas bekommst du in regionalen Treffen, selten in dieser hohen Qualität und Offenheit.
Wenn du Besichtigungen machst oder organisierst
Sag zu Beginn klar, wo du einen ehrlichen Blick von außen haben willst. Nicht "schaut euch gerne alles an" — sondern: "Hier ist unsere aktuelle Baustelle. Da wären wir dankbar für eure Sichtweise." Das gibt dem Gespräch einen Anker und holt mehr aus den Leuten raus, die da sind.
Das Ammen-System bei Tobias Meutes
Tobias hat 80 Kühe, legt viel Wert auf Langlebigkeit und hohe Leistung. Was mich bei ihm besonders beeindruckt hat: sein Ammen-System.
Er hat eine Box für Kühe, die nicht ganz fit sind oder Schwierigkeiten haben — beim Melken, in der Liegebox, wenig Milchmenge. Und diese Kühe übernehmen bei ihm die Aufzucht von Kälbern. Sie bekommen eine neue Aufgabe. Das klingt erstmal einfach — ist aber durchdachtes Management. Tobias hat seinen eigenen Weg gefunden.
Genau das macht Betriebsbesichtigungen wertvoll: Du siehst, was möglich ist, wenn jemand seinen eigenen Weg geht. Nicht, die Sau die gerade durch Dorf getrieben wird. Nicht das, was der Berater empfiehlt, sondern das, was zum Betrieb, zu den Tieren und zu den Menschen passt.
Feedback-Umfrage zu ClubTour
Im Nachgang habe ich eine Umfrage geschickt. 10 von knapp 20 Teilnehmern haben geantwortet — das ist eine gute Quote. Die Zahlen: 8 von 10 haben 5 Sterne vergeben, 2 haben 4 Sterne gegeben. Stimmung: 9 von 10 mit 5 Sternen. Organisation: alle 10 mit 5 Sternen.
Das freut mich. Aber was mich motiviert, ist Feedback wie dieses hier: "Durch die Tour werde ich sicherlich versuchen, öfter jetzt an den Stammtischen teilzunehmen."
Landwirtschaftsthemen am Mittagstisch
Eins der Feedbacks, das mich nachdenklich gemacht hat, kam nicht über die Besichtigungen. Jemand erzählte beim Gespräch, dass auf ihrem Hof am Mittagstisch immer nur über Landwirtschaft geredet wird. Die Schwestern, die nicht so tief drin sind, fühlen sich da außen vor.
Die Idee, die aufkam: Die erste halbe Stunde kein Landwirtschaftsgespräch.
Am Anfang: Schweigen. Keiner wusste so richtig, worüber sonst reden. Dann kamen, Stück für Stück, andere Themen. Das Leben ist vielleicht ein bisschen mehr als Landwirtschaft — wobei Landwirtschaft natürlich auch ein großer Teil sein darf.
Mein Fazit zur Clubtour
Rein wirtschaftlich betrachtet ist die Clubtour ein Minusgeschäft. Spätestens wenn ich meinen eigenen Arbeitslohn einrechne, geht das Ding nicht auf.
Trotzdem mache ich sie. Früher jedes Jahr, mittlerweile jährlich wechselnd mit den Kuhverstand-Tagen. (Die Kuhverstand-Tage sind offen für alle Kuhmenschen)
Weil ich jedes Mal sehe, was zwischen den Clubmitgliedern passiert — Dinge, von denen ich sonst nichts mitbekomme. Weil die Motivation steigt: Jemand schrieb mir das er jetzt öfter an den Onlinetreffen vom Club teilnehmen wird. Weil persönliches Kennenlernen den digitalen Austausch verändert. Tiefer macht. Echter. Das ist der langfristige Plan. Und der geht auf.
Dein Impuls: 5 % mehr Miteinander
Ich kenne deine Situation nicht. Ich kenne dein Team nicht. Aber ich darf dir einen Satz mitgeben, mit dem du deinen nächsten Schritt finden kannst.
Ergänze diesen Satz: "Wenn ich 5 % mehr für ein gutes Miteinander auf dem Hof einsetze, dann würde ich…"
Vielleicht fällt dir sofort etwas ein. Vielleicht brauchst du einen Moment. Und vielleicht bedeutet der nächste Schritt zunächst mehr Reibung, bevor es besser wird — das ist normal. Aber langfristig wirst du zurückblicken und sagen: gut, dass ich das angegangen bin.
Viel Spaß mit deinen Kühen und genieße das Leben!
Dein Christian Völkner
Weiterführende Links
Folge 100: Highlights aus dem Club der alten Kühe
Folge 105: Familie und Betrieb meistern
Folge 070: Mastitis verstehen und bekämpfen (Hier geht es unter anderem auch um Staph Aureus)
Deine nächsten Schritte
Zum Kuhverstand WhatsApp-Kanal
Zu den Kuhverstand-Tagen (offen für alle Kuhmenschen)