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214 | Trauer muss man nicht überwinden – Was Landwirte über Abschiede wissen sollten


„Trauer muss man nicht überwinden.“

Dieser Satz hat Schlagartig meine Denkweise zur Trauer verändert. Vorher dachte ich immer, Trauer ist für eine Zeit lang ok, aber letztendlich gehört sie überwunden.

In dieser Folge spreche ich mit Monica Lonece über Trauer, Abschied und Gefühle im Alltag.

Wir gehen diesen Fragen nach:

  • Was Trauer wirklich ist – jenseits von Tod und Verlust
  • Warum Abschied auch im Unternehmeralltag ständig passiert
  • Wie Gefühle Orientierung geben können
  • Warum Wut und Trauer oft zusammengehören
  • Und weshalb Gemeinschaft in schwierigen Zeiten so wichtig ist

Warum Trauer mehr ist als Tod 

Wenn wir an Trauer denken, denken viele zuerst an den Tod eines Menschen. Aber im Alltag zeigt sich Trauer viel öfter in anderen Momenten:

  • Wenn etwas endet, obwohl wir es anders wollten.
  • Wenn Erwartungen zerplatzen.
  • Wenn Entscheidungen anders ausgehen als geplant.
  • Wenn sich ein Leben oder ein Betrieb verändert.

Trauer entsteht nicht nur bei Verlust, sondern immer dann, wenn etwas nicht so ist, wie es sein sollte. Und genau das passiert in Unternehmerleben und Landwirtschaft ständig.

Gefühle im Unternehmeralltag

Im Alltag auf Betrieben oder in Unternehmen reden wir oft über Lösungen, wir wollen schnell weitergehen, neue Entscheidungen treffen und direkt den nächsten Schritt machen. Trotzdem laufen Gefühle immer mit, auch wenn sie selten offen ausgesprochen werden.

Das zeigt sich in Trauer, in Wut, in Unsicherheit oder auch in diesem stillen Gefühl, dass etwas anders hätte sein sollen.

Monica hat im Gespräch sehr klar gemacht, dass Gefühle keine Störung im System sind, sondern vielmehr bei der Orientierung helfen können. Wut zeigt, dass Grenzen überschritten wurden,

Trauer zeigt, dass etwas nicht mehr da ist oder sich verändert hat, und manchmal weist sie einfach darauf hin, dass an einer Situation noch Bedeutung hängt.

Warum Gemeinschaft entscheidend ist

Ein weiterer Punkt, der im Gespräch sehr hängen geblieben ist: Schwere Dinge waren nie dafür gedacht, alleine getragen zu werden.

Trotzdem machen viele genau das. Gerade im Unternehmertum. Gerade in der Landwirtschaft.

Funktionieren.

Weiterarbeiten.

Keine Schwäche zeigen.

Aber genau dadurch wird es oft schwerer, denn wenn niemand weiß, was los ist, entsteht kein Raum, der trägt. Gemeinschaft bedeutet nicht, dass jemand die Lösung hat, sondern dass jemand da ist. Das gilt auch für die Gemeinschaft auf deinem Hof.

Gefühle nutzen, statt wegdrücken

Trauer verschwindet nicht, nur weil man sie ignoriert, aber sie verändert sich, wenn man ihr Raum gibt. Das heißt nicht, dass alles stehen bleiben muss. Und auch nicht, dass man darin hängen bleiben soll.

Es bedeutet eher:

Man kann etwas vermissen – und trotzdem weitergehen.

Man kann Abschied nehmen – und trotzdem gestalten.

Man kann traurig sein – und trotzdem leben.

Was du aus dieser Folge mitnehmen kannst

Vielleicht ist der wichtigste Gedanke aus diesem Gespräch, dass Trauer nicht etwas ist, das „weg“ muss, sondern etwas, das seinen Platz im Leben haben darf. Nicht als Dauerzustand, der dich festhält, sondern als Reaktion auf etwas, das dir wichtig war oder ist.

Im Alltag versuchen wir oft, schnell wieder handlungsfähig zu werden, weil Betriebe laufen müssen, Entscheidungen anstehen und die Arbeit nicht wartet. Genau dadurch entsteht aber manchmal der Eindruck, dass bestimmte Gefühle keinen Raum haben dürfen. Das ist Schade, schließlich hat jedes Gefühl einen Grund und eine gewisse Kraft.

Wenn du beginnst, Trauer, Wut oder Unsicherheit nicht sofort wegzudrücken, sondern als Signal zu verstehen, verändert sich der Blick auf viele Situationen. Du erkennst klarer, wo etwas nicht mehr passt, wo etwas abgeschlossen ist oder wo ein Übergang ansteht.

Gleichzeitig wird auch deutlich, dass du solche Prozesse nicht allein tragen musst. Gerade in Lebensphasen, in denen sich viel verändert oder etwas Belastendes passiert, macht es einen großen Unterschied, ob du darüber sprechen kannst oder ob alles nur im Inneren bleibt. Gemeinschaft, Austausch und ehrliche Gespräche können entlasten.

Weiterführende Links

Deine nächsten Schritte

Viel Spaß mit Deinen Kühen und genieße das Leben

Dein Christian Völkner