Manchmal läuft alles und trotzdem kommst du nicht voran. Du arbeitest, du bist beschäftigt, du gibst Gas und gleichzeitig hast du das Gefühl: Irgendwas passt nicht.
Genau darum geht es in dieser Folge. Es ist der erste Teil einer dreiteiligen Serie zum Thema „Krise als Chance“. Bevor wir aber über Lösungen sprechen, schauen wir auf den Moment davor:
Wo bist du vielleicht schon im Matsch, merkst es aber noch nicht?
Am Ende der Folge wartet außerdem ein konkreter Trainingsimpuls auf dich, mit dem du deine aktuelle Situation einmal ganz klar für dich sichtbar machen kannst. Dieser erste Schritt bringt oft mehr ins Rollen, als man denkt.
Festgefahren zu sein ist nichts Ungewöhnliches
Vorweg: Festzustecken ist nichts, wofür man sich schämen muss. Gerade in der Landwirtschaft hast du einen sehr anspruchsvollen Job. Du trägst Verantwortung für Tiere, Betrieb, Familie und oft läuft alles gleichzeitig.
Wenn du dich da voll reinkniest, passiert schnell etwas:
- Dein Blick wird enger
Lebensbereiche rutschen in den Hintergrund- Du funktionierst, aber entwickelst dich nicht weiter
Das passiert nicht plötzlich, sondern schleichend. Und genau deshalb ist es so tückisch. Du merkst es oft erst dann, wenn du schon tief steckst.
Das Bild vom Festfahren im Maisfeld
Vielleicht kennst du die Situation: Der Häcksler pustet einen Silowagen immer voller. Du schaust von außen zu und denkst: Jetzt ist aber mal gut, die nasse Stelle steht kurz bevor. Doch der Fahrer macht weiter, er schätzt es einfach falsch ein oder ist in seinem Trott drin. Nach kurzer Zeit liegt der Trecker auf. Es gibt kein vor und kein Zurück mehr. Die Häckselkolonne steht erstmal.
Dieses Bild lässt sich ziemlich gut übertragen:
- Du selber merkst oft, sehr spät wie kritisch “deine Situation” ist
- Menschen von außen erkennen es oft früher
- Der Punkt an dem es Zeit ist anzuhalten wird verpasst
- Mit Hilfe von Außen kannst du dich langsam aber sicher raus retten
Genau da entsteht das Festfahren. Der entscheidende Punkt ist oft nicht das Festfahren selbst, sondern der Moment davor, in dem man eigentlich schon hätte reagieren können.
In welchen Bereichen du dich festfahren kannst
Festfahren passiert selten nur in einem Bereich. Es kann zum Beispiel auftreten bei:
- Arbeitsbelastung und Tagesstruktur
- Tiergesundheit oder Betriebsentwicklung
- Familie und Beziehungen
- Hofübergabe oder finanzielle Themen
- dem Gefühl, nur noch im Betrieb statt am Betrieb zu arbeiten
Oft ist es eher ein Zusammenspiel aus mehreren Faktoren. Und genau deshalb fühlt es sich auch so schwer greifbar an. Du kannst nicht immer sagen: Das ist das eine Problem. Es ist eher ein Gesamtgefühl, dass etwas nicht mehr rund läuft.
Warum der Anfang immer am schwersten ist
Ein wichtiger Punkt, der oft unterschätzt wird: Der erste Schritt kostet am meisten Kraft. So wie beim Anfahren mit dem Trecker. Am Anfang brauchst du die meiste Energie. Danach wird es leichter.
Das bedeutet:
- Es fühlt sich am Anfang zäh an
- Du hast das Gefühl, es geht nicht schnell genug
- Fortschritt ist kaum sichtbar
Und genau hier steigen viele aus. Dabei ist genau dieser Moment entscheidend. Wenn du dranbleibst, entsteht eine Art Aufwärtsspirale. Kleine Fortschritte führen zu mehr Bewegung – und allmählich wird es leichter.
Welche Ursachen hinter dem Festfahren stecken können
Wenn du feststeckst, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Einflüssen:
1. Äußere Einflüsse
- Wetterbedingungen 😉
- neue gesetzliche Vorgaben
- äußere Belastungen
- neue Situationen
Diese Dinge kannst du oft nicht direkt beeinflussen, aber du kannst lernen, besser damit umzugehen.
2. Selbst verursachte Einflüsse
- Perfektionismus
- fehlende Pausen
- falsche Prioritäten
- ungünstige Gewohnheiten
Ein paar Gedanken, die dir helfen können:
1. Druck rausnehmen
Frag dich: Wo kannst du es dir gerade leichter machen? Zu viel (Reifen-)Druck führt oft dazu, dass du dich noch tiefer festfährst. Manchmal ist weniger genau das, was dich wieder voranbringt.
2. Dein eigenes Maß finden
Zwischen zu viel Gas und zu wenig Bewegung liegt ein Bereich, der für dich passt. Den darfst du für dich herausfinden. Es gibt hier kein richtig oder falsch, sondern nur das, was für dich funktioniert.
3. Hilfsmittel nutzen
Manchmal braucht es keine große Veränderung. Ein kleiner Impuls kann reichen, um wieder Bewegung reinzubringen. Eine neue Perspektive, eine kleine Anpassung oder eine einfache Idee kann schon der Anfang sein.
4. Unterstützung annehmen
Allein aus einer festgefahrenen Situation rauszukommen, ist schwer. Unterstützung von außen kann der entscheidende Unterschied sein. Und oft ist genau das der Schritt, der am meisten Überwindung kostet, aber am meisten bringt.
Die wichtigste Erkenntnis aus dieser Folge
Feststecken ist nicht das Problem. Entscheidend ist, wie du damit umgehst.
Ob du es erkennst.
Ob du hinschaust.
Und ob du bereit bist, den ersten Schritt zu machen. Denn Veränderung beginnt selten mit einem großen Schritt, sondern mit dem ersten bewussten Hinschauen. Das kann weh tun, lohnt sich aber.
Trainingsimpuls: Was gibt dir Kraft – und was kostet dich Kraft?
Zum Abschluss dieser Folge gibt es eine einfache, aber sehr wirkungsvolle Übung. Nimm dir einen Moment Zeit und schreibe auf:
10 Dinge, die dir Kraft kosten
10 Dinge, die dir Kraft geben
Wichtig dabei:
- nicht bewerten
- einfach aufschreiben
- ehrlich zu dir selbst sein
Du kannst diese Liste auch über mehrere Tage ergänzen. Beobachte dich im Alltag und halte fest, was dir Energie zieht und was dir Energie gibt. Diese Übung ist die Grundlage für den nächsten Schritt. Denn erst wenn du klar siehst, was gerade ist, kannst du auch gezielt etwas verändern.
Ausblick auf Teil 2
In der nächsten Folge gehen wir einen Schritt weiter. Dann schauen wir darauf, was sich konkret verändern darf und wie du die ersten Dinge gezielt angehen kannst.
Weiterführende Links
Deine nächsten Schritte
Viel Spaß mit deinen Kühen und genieße das Leben!
Dein Christian Völkner