Zeitspar-Tipp: Höre Kuhverstand auf deinem Handy, nutze dafür einfach eine kostenfreie App.

205 | Ehrenamt in der Landwirtschaft – Was es persönlich bringt


Manchmal bremsen wir uns selber aus, Chancen auch wirklich zu ergreifen. Es reicht ein negatives Selbsturteil auf die selbstgestellte Frage: "Bin ich dafür gut genug?"

In dieser Podcastfolge spreche ich mit Juliane Haßbargen über genau diesen Punkt. Über Selbstwertgefühl, Verantwortung und darüber, warum Frauen in der Landwirtschaft ihre eigene Kompetenz oft kritischer bewerten als nötig.

Juliane ist Milchviehhalterin, tief in der Rinderzucht verwurzelt und seit einem Jahr Vorstandsmitglied im Verein Ostfriesischer Stammzüchter. Als erste Frau in diesem Gremium. Als sie gefragt wurde, kam ihr der Gedanke: "Muss ich mir das wirklich antun?"


Und dann eine zweite, sehr nüchterne Überlegung: Was spricht eigentlich objektiv dagegen?

Die Antwort war simpel: nichts. Kein sachlicher Grund, der gegen sie sprach. Also hat sie zugesagt.


Gerade Frauen – so Julianes Erfahrung – neigen dazu, sich selbst kritischer zu hinterfragen. Auch dann, wenn sie fachlich gut ausgebildet sind, täglich Verantwortung tragen und den Betrieb mitgestalten.

Betrieb, Familie und Ehrenamt unter einen Hut bekommen

Juliane beschreibt ihren Alltag sehr offen und ohne ihn zu beschönigen. Der Tag beginnt früh, oft noch bevor es richtig hell wird, mit dem Gang in den Stall, dem Melken, der Versorgung der Kälber. Dazwischen liegen Büroarbeit, Organisation, Absprachen im Team, Telefonate, Entscheidungen, die getroffen werden müssen, und immer wieder der ganz normale Familienalltag mit Kindern, Terminen und allem, was dazugehört.


Vieles läuft parallel, manches ungeplant, und selten gibt es Tage, an denen einfach alles glattgeht. Dass daneben trotzdem Raum für Engagement außerhalb des eigenen Hofs bleibt, ist kein Ergebnis perfekter Planung oder außergewöhnlicher Belastbarkeit. Es funktioniert, weil Aufgaben bewusst verteilt werden, weil Unterstützung im Betrieb und im familiären Umfeld da ist und weil immer wieder entschieden wird, was man selbst übernehmen will und was man abgeben kann. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus der Erkenntnis heraus, dass man nicht alles gleichzeitig und dauerhaft alleine tragen kann, ohne dass irgendwann etwas auf der Strecke bleibt.


Der Austausch mit anderen, das Mitgestalten in Gremien und das Einbringen der eigenen Sichtweise erweitern den Horizont und verändern auch den Blick auf den eigenen Alltag. Entscheidungen werden bewusster, Zusammenhänge klarer und manches, was im Betrieb schwer wirkt, lässt sich aus einer anderen Perspektive besser einordnen.

Gerade in dieser Verbindung von Betrieb, Familie und Ehrenamt wird deutlich, dass es kein Entweder-oder braucht. Es geht nicht darum, überall gleichzeitig perfekt zu sein, sondern darum, bewusst zu wählen, wo man Verantwortung übernimmt, wie man sich Unterstützung organisiert und welche Aufgaben wirklich zur eigenen Rolle passen.

Warum Mitgestalten verändert

Wer Verantwortung übernimmt – im Betrieb oder außerhalb – verändert mit der Zeit den eigenen Blick auf Situationen, Entscheidungen und auch auf sich selbst. Dinge, die vorher selbstverständlich oder unverrückbar wirkten, werden plötzlich verhandelbar, weil man beginnt, Zusammenhänge zu sehen und nicht mehr nur einzelne Aufgaben abzuarbeiten.

Mit der Zeit entstehen dabei Fähigkeiten, die sich nicht an einem Tag lernen lassen, sondern sich schrittweise entwickeln:

  • Entscheidungen zu treffen, auch wenn nicht alle Informationen vorliegen
  • unterschiedliche Perspektiven zu verstehen, ohne die eigene sofort infrage zu stellen
  • sich selbst und die eigene Einschätzung ernster zu nehmen

Dabei wächst das Selbstwertgefühl oft nicht im Vorfeld, sondern erst durchs Tun. Nicht, weil plötzlich alle Zweifel verschwinden, sondern weil sich immer wieder zeigt, dass man handlungsfähig ist und Verantwortung trägt.


Juliane beschreibt sehr klar, dass jeder Schritt aus der eigenen Komfortzone zunächst Überwindung kostet, beim nächsten Mal aber spürbar leichter fällt. Nicht sofort und nicht ohne Unsicherheit, aber so, dass man rückblickend merkt, dass sich etwas verschoben hat. Im Denken, im Auftreten und im Vertrauen in die eigene Rolle.

Fazit: Verantwortung verändert den Blick

Diese Folge zeigt, dass Selbstwertgefühl kein festes Persönlichkeitsmerkmal ist, sondern sich im Alltag entwickelt: durch Entscheidungen, durch Verantwortung und durch das eigene Handeln. Nicht, weil alles sicher ist oder perfekt vorbereitet, sondern weil man bereit ist, einen Schritt zu gehen, obwohl Zweifel da sind.


Julianes Geschichte macht deutlich, dass Kompetenz in der Landwirtschaft oft längst vorhanden ist, bevor sie als solche anerkannt wird – besonders bei Frauen.

Verantwortung zu übernehmen, im Betrieb oder im Ehrenamt, verändert nicht nur den Blick auf Strukturen und Abläufe, sondern auch auf die eigene Rolle. Im Grunde ist es sehr einfach: Du entwickelst dich mit deinen (selbstgewählten) Aufgaben. Ein Ehrenamt kann mehr bringen als du zunächst denkst.

Weiterführende Links

Deine nächsten Schritte

Viel Spaß mit deinen Kühen und genieße das Leben!

Dein Christian Völkner