092| So bekommst du Milchfieber in den Griff

Typisch Milchfieber 

Wer kennt es nicht? Man möchte schnell fertig sein mit der Stallarbeit und freut sich auf den Feierabend und ZACK. Die frischgekalbte Kuh liegt fest. Dieses Festliegen ist nur die Spitze des Milchfieber-Eisberges.

Es ist dreimal ärgerlich:

  1. Kranke Kühe möchte keiner im Stall haben. Es ist eine emotionale Belastung, sowohl für das Tier als auch für dich als Kuhmensch.
  2. Milchfieberkühe kosten richtig Geld und es werden vermutlich Sekundärkrankheiten wie eine Euterentzündung oder Nachgeburtsverhalten hinterherkommen.
  3. Dein Abendprogramm kannst du in der Regel vergessen.

Wie so oft ist Vorsorgen besser als Nachsorgen. Daher habe ich da was für dich …

Deine Fütterung ist eine entschiedene Waffe gegen Milchfieber

Die Herde in Iden ist bekannt für ihre hohe Lebensleistung. Mein Interviewgast Thomas Engelhard (Verantwortlich für die Fütterung in Iden) forscht seit 1996 zur Kationen-Anionen-Bilanz (DCAB) in der Fütterung. Ohne diesen Fokus würde die Herde wohl kaum eine durchschnittliche Abgangsleistung von 55000 bis 60000 kg Milch erreichen.

Doch fangen wir von vorne an …

Was ist Milchfieber?

Der Begriff Milchfieber ist eigentlich irreführend, denn es geht einher mit einer Untertemperatur. Andere Namen für Milchfieber sind Gebärparese, Kalbefieber und Hypokalzämie, letzteres beschreibt den Kern: Den Mangel an Calcium im Blut. Akute Fälle sind „nur“ die Spitze des Eisberges. Die meisten Fälle sind subklinisch unter der Oberfläche und werden oft nicht erkannt. Das führt zu Minderleistung und anfälligen Kühen. Es macht Sinn, ein Gespür für diese subklinischen Fälle zu entwickeln. Es fängt banal an …

Die Zusammenhänge von Milchfieber

Durch die einsetze Milchbildung wird massiv Calcium entzogen. Nun muss aus den Knochen und aus dem Futterbrei im Darm Calcium mobilisiert werden. Die Kuh ist das nicht gewohnt. Sie bekommt es nicht richtig hin. Wir sprechen hier von einer mangelnden Adaptionsfähigkeit. Das wirkt sich auf die glatte Muskulatur aus. Die glatte Muskulatur kontrahiert nicht mehr so, wie sie es sollte. Und nun kommt der Hammer …

Wo finden wir die glatte Muskulatur?

Nur einige Beispiele:

  1. Der Pansen läuft nicht rund. Herdenmanager Hilmar Zabel kann durch veränderte Geräusche hören, ob Milchfieber im Anmarsch ist.
  2. Die Nachgeburt löst sich nicht, da die Kontraktion beeinträchtig ist
  3. Der Schließmuskel an der Zitze gehört auch zur glatten Muskulatur. Er schließt langsamer. So steigt laut Prof. Dr. Krömker das Risiko für Euterentzündung durch subklinisches Milchfieber um den Faktor 10. 
  4. Auch für die Geburt wird eine gute Muskelkontraktion benötigt. Schwergeburten können auch durch Milchfieber verursacht sein.

Warum sind ältere Kühe anfälliger für Milchfieber

Im Alter nimmt die Fähigkeit ab, Calcium aus den Knochen zu mobilisieren. Dieser Calciummangel führt zu einer schlechteren Funktion der glatten Muskulatur. Die Muskeln können nicht richtig arbeiten. Das führt dann auch zu „wackligen Kühen“. Doch jetzt erst mal eine Übersicht:

Welche Symptome für Milchfieber gibt es

  • Die Kuh stinkt aus der Scheide
  • Die Nachgeburt ging nicht ab
  • Die Ohren sind kalt
  • Die Körpertemperatur ist niedrig
  • Die Wehen setzten ganz oder teilweise aus
  • Der Pansen macht veränderte Geräusche
  • Das Gangbild ist unsicher
  • Die Augen sind eingefallen
  • Die Kuh ist anteilslos
  • Geringe Calciumgehalte im Blutserum
  • Und die Spitze des Eisberges: Festliegen

Die 3 Schritte der Milchfieberprophylaxe 

1. Schritt: Gute Haltung gewährleisten:

  • Abstellen von Überbelegung
  • Komfortable Liegeplatzgestaltung
  • Griffige Laufgänge
  • Möglichst wenige Gruppenwechsel
  • Vernünftige und schnell eingreifende Klauenpflege
  • Und vieles mehr

2. Schritt: Fütterung

  • Einführung der „DCAB-Fütterung“ mit bewußter Auswahl des Fütterungskonzeptes
  • Ausreichende Futterversorgung inkl. Wasser
  • Arbeit an der Silagequalität 
  • BSC bei der Fütterung berücksichtigen

3. Schritt: Flankierende Maßnahmen (Sind mit deinem Tierarzt abzusprechen)

  • Calcium Zuführung über Bolus, Subkutan (unter die Haut) oder Infusion 
  • Vitamin D3 Gaben

Milchfieber Links:

Viel Spaß mit deinen Kühen und genieße das Leben!

Dein Christian Völkner

PS: Komme in das DCAB-Webinar mit Thomas Engelhard, so verstehst du wichtige Zusammenhänge und kannst aktiv vorbeugen.

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