Hast du dich schon mal geärgert, dass du missverstanden wurdest? Dass du ganz anders verstanden wurdest, als du dir das gedacht hast?
Die vielen kleinen Missverständnisse kosten täglich Zeit, Nerven und Energie. Energie, die du woanders besser nutzen kannst. In dieser Folge gibt Christian Völkner sieben konkrete Tipps, wie du Missverständnisse reduzierst.
Warum Missverständnisse auf dem Betrieb so viel kosten
Bevor wir zu den Tipps kommen: Warum ist das Thema überhaupt so relevant für Milchviehhalter?
Auf jedem Betrieb arbeiten Menschen unter Zeitdruck zusammen. Die Feldarbeit ruft, abends will jemand rechtzeitig los und rechtzeitig Feierabend ist ja auch mal schön.
Deine Familienmitglieder sind gleichzeitig deine Kollegen. Das macht es nicht unbedingt einfacher: Man kennt sich so gut, dass man glaubt, man müsste nicht mehr genau erklären, was man meint.
Die Idee zu dieser Folge kam übrigens direkt aus dem Club der Alten Kühe – die Mitglieder wünschten sich Tipps zum Thema "Wie überzeuge ich Familie und Team bei Investitionen ins Tierwohl oder bei Veränderungen auf dem Hof?" Eine gute Kommunikation mit wenig Missverständnissen ist die Grundlage dafür.
Hier sind die sieben Tipps:
Tipp 1: Rede unmissverständlich
Klingt simpel – ist es aber oft nicht. Ein Beispiel: "Heute ist es wichtig, dass wir um 19 Uhr fertig sind!" Was bedeutet fertig?
a) Stallarbeit erledigt?
b) Geduscht?
c) Im Auto sitzen?
Hier kann der Empfänger der Nachricht, eigentlich nur raten was gemeint ist. Dieses raten passiert oft unbewusst und in sekundenschnellle. Und Zack ist da: Das Missverständis.
Besser: "Abfahrtszeit ist 19 Uhr." Damit ist klar, was gemeint ist.
Achte mal bewusst auf deine Aussagen. Wo ist Interpretationsspielraum? Im Stressmodus neigen wir dazu, Dinge nur halb zu sagen – weil wir schnell weiter wollen. Die Krux: Der andere hat nicht dein Gehirn, er verstehet und verarbeitet die Infos anders.
Tipp 2: Sichere dir die Aufmerksamkeit des anderen
Du willst jemandem etwas Wichtiges sagen, aber der andere ist gedanklich gerade ganz woanders.
Beispiele: Der Mitarbeiter denkt noch an den letzten Schaden an der Maschine, die Frau ist mit den Kindern beschäftigt, der Vater hört halb zu.
Abhilfe schafft eine einfache Frage: "Darf ich dir kurz was sagen?" oder "Ich habe eine Idee – hast du einen Moment?"
Das klingt im ersten Moment vielleicht etwas ungewohnt. Jedoch weißt du nicht, was gerade in dem anderen vorgeht. Ob er zum Beispiel Gedanklich, ganz woanders ist. Diese einfache Frage schafft Raum für ein echtes Gespräch.Du holst dir damit zwei wichtige Dinge: Die Erlaubnis dem anderen jetzt auch was sagen zu dürfen und mehr Aufmerksamkeit als wenn du direkt fragst.
Tipp 3: Nutze Paraphrasieren
Paraphrasieren bedeutet: Du wiederholst in deinen eigenen Worten, was der andere gesagt hat. Das klingt so: "Habe ich das richtig verstanden, du meinst…?"
Warum das hilft: Jeder hat Filter. Nicht alles, was jemand sagt, kommt so an, wie es gemeint war. Wörter sind doppeldeutig, Dinge werden überhört, der Kontext fehlt. Wer mehr dazu verstehen will: Das Vier-Ohren-Modell von Schulz von Thun erklärt sehr gut, warum wir uns so oft missverstehen.
Das Paraphrasieren ist eine einfache Schleife, um sicherzustellen: Haben wir dasselbe verstanden?
Tipp 4: Betreibe Ping-Pong in Gesprächen
Wenn du merkst, dass du abgehängt wirst oder dir ein wichtiges Detail fehlt: Unterbrich freundlich. "Bitte kurz Stopp – wie meinst du das genau?" oder "Habe ich das richtig verstanden?"
Gespräche sind kein Vortrag. Sie sind ein Wechselspiel. Je früher du nachfragst, desto weniger läuft ihr in die falsche Richtung.
Tipp 5: Trenne deine Rollen klar
Du bist Vater, Sohn, Chef, Betriebsleiter, Ehemann, Freund – in einer Person. Aber jede Rolle hat seine Aufgaben und Herausforderungen. In einem Familienbetrieb kommt das alles zusammen. Hier kann es führt zu einem schiefen Haus- und Hofsegen führen, wenn die Rollen durcheinander gebracht werden.
Die Lösung: Sage, aus welcher Rolle du gerade sprichst.
"Ich sag das jetzt als Chef: Wir müssen bei den Fütterungszeiten konsequenter sein – das ist für den Erfolg mit unseren Kühen unabdingbar."
Das ist keine Ablehnung der Person. Es geht um die Sache, um die Arbeit. Wenn du das klar benennst, trennt der andere ebenfalls leichter zwischen Rolle und Beziehung. Gerade auf Familienbetrieben, wo Vater-Sohn-Dynamiken und Chef-Mitarbeiter-Dynamiken gleichzeitig laufen, ist das ein wichtiges Werkzeug.
Tipp 6: Sorge für ein angstfreies Umfeld
Dieser Tipp kommt aus eigener Erfahrung. Ich war 2020 zum Melken auf einem “fremden Betrieb”. Dort hatte ich ständig das Gefühl: Bin ich schnell genug? Genüge ich? Diese innere Anspannung führte dazu, dass ich wichtige hygienische Schritte wegließ – Dinge, die ich auf meinem eigenen Betrieb selbstverständlich immer gemacht hätte.
Das zeigt: Angst und Druck führt dazu, dass Menschen Fehler machen – und sie nicht merken bzw. ansprechen.
Du kannst nicht in andere hineinschauen. Aber du kannst ein Umfeld schaffen, in dem Fehler angesprochen werden können. In dem niemand Angst hat, nachzufragen. In dem es okay ist zu sagen: "Das habe ich nicht verstanden."
Das ist kein Soft-Skill-Luxus. Das ist betriebswirtschaftlich relevant – denn stille Fehler kosten dich am Ende mehr als ein offenes Gespräch.
Tipp 7: Schreib wichtige Dinge auf
Menschen erzählen sich Geschichten – auch über die Vergangenheit. Und diese Geschichten können sich verändern.
Unser Gehirn ist dazu da, um kreativ zu sein. Das Gehirn ist keine Festplatte, die jederzeit abrufbare Einsen und Nullen auf einer Festplatte speichert. Im Nachgang wird vergangenes anders erinnert als es war. Neue Erlebnisse mischen sich in alte Erinnerungen rein.
Deswegen: Schreib wichtige Dinge auf. Nicht, um den anderen damit zu konfrontieren. Sondern für dich selbst. Wenn du schreibst, wirst du klarer. Und wer klar ist kommuniziert besser.
Das gilt für betriebliche Entscheidungen genauso wie für persönliche Ziele: Was will ich mit dem Betrieb? Was ist meine Rolle? Wo will ich in drei Jahren stehen?
Zum Thema Schreiben lohnen sich auch zwei ältere Folgen:
- Folge 143: Erst die Klarheit, dann das Vergnügen
- Folge 182: Wer schreibt, der bleibt
Dein konkreter nächster Schritt
Wenn du jetzt alle sieben Tipps auf einmal umsetzen willst – lass es lieber. Lieber eine Sache schnell und konkret umsetzen - statt vieles vornehmen, was sich dann verläuft.
Tipp: Nimm einen dieser 7 Tipps und formuliere es für deine Situation um. Was wirst du konkret tun? Dazu vervollständige diesen Satz – am besten schriftlich:
"Wenn ich 5 Prozent besser kommunizieren würde, dann würde ich…"
Schreib das auf. Und setz in den nächsten 72 Stunden den ersten konkreten Schritt um.
Du kannst auch den konkreten Tipp einsetzen:
"Wenn ich 5 Prozent besser meiner Rollen trennen würde, dann würde ich…"
"Wenn ich ein Umfeld schaffe das zu 5 Prozent mehr Angstfreiheit in meinem Team führt, dann würde ich…"*
Viel Spaß mit Deinen Kühen und genieße das Leben
Dein Christian Völkner
PS: Diese Episode wurde als Grundlage für einen Zoom-Treffen im Club der alten Kühe entwickelt. Im Club der alten Kühe geht es in einem nächsten Schritt darum, wie du Familie und Team konkret überzeugst, wenn es um Investitionen ins Tierwohl oder um Veränderungen auf dem Betrieb geht. Noch kein Mitglied? Mehr Infos zum Club der alten Kühe findest du hier!