Man kann nicht nicht kommunizieren.” Zitat von Paul Watzlawick *(*Kommunikationswissenschaftler)
Diese Grundregel gilt auch im Stall mit unseren Kühen. In dieser Folge geht es um Tierkommunikation mit unseren Kühen. Was funktioniert, und welche Erfahrungen gibt es? Ich spreche mit Meike Böhm, die seit Jahren mit Landwirten:innen arbeitet und schon zahlreichen Kuhmenschen vielen beim Umgang mit sogenannten “Problemtieren” helfen konnte.
Kommunikation beginnt schon auf dem Weg in den Stall
Wenn wir über Tierkommunikation im Stall sprechen, denken viele zuerst an Worte. An Kommandos, an Zurufe, pfeifen.
Doch Kühe reagieren auf viel mehr. Sie reagieren auf Anspannung. Auf Ruhe. Auf Unruhe. Auf innere Klarheit – oder das Gegenteil davon.
Meike beschreibt es so: Ein Rind hört nicht auf, ein Rind zu sein, nur weil es im Stall steht. Seine Wahrnehmung bleibt wach, seine Sinne sind permanent aktiv. Kühe riechen Stresshormone, sie lesen Körperspannung, sie reagieren auf Energie, noch bevor ein Wort gesprochen wird.
Kommunikation beginnt also nicht erst, wenn wir etwas sagen, sondern in dem Moment, in dem wir einen Raum oder auch Stall betreten.
„Sprichst du mit deinen Kühen?“ – eine oft ungewohnte Frage
Eine der spannendsten Beobachtungen aus der Praxis: Viele Landwirte würden nie sagen, dass sie mit ihren Kühen „sprechen“. Und gleichzeitig passiert genau das ständig. Nicht im Sinne eines Gesprächs, sondern im Sinne von Reaktion: Schimpfen, treiben, mit Armen fuchteln.
Doch genau hier entsteht oft ein Problem: Wenn wir nur auf Verhalten reagieren, ohne Orientierung zu geben, bleibt beim Tier oft Unsicherheit zurück.
Die entscheidende Frage lautet also nicht: Ob du mit deinen Kühen sprichst, sondern wie.
Sicherheit ist die Grundlage jeder Herde
Ein zentraler Punkt aus der Folge: Kühe sind Herdentiere – und Herdentiere brauchen vor allem eines: Sicherheit.
Sicherheit bedeutet nicht nur Schutz vor Gefahr. Es bedeutet Vorhersehbarkeit.
Wenn Abläufe im Stall häufig wechseln, wenn Menschen unruhig sind, wenn Erwartungen nicht klar sind, entsteht Stress. Und dieser Stress
wirkt sich direkt auf
Verhalten, Gesundheit und Leistungsfähigkeit aus.
Ein unruhiges
Umfeld erzeugt eine unruhige
Herde. Ein ruhiges
Umfeld erzeugt eine ruhige
Herde.
Ein wichtiger Ansatz aus der Folge ist die Fähigkeit, die eigene Stimmung von der Situation zu trennen. Das bedeutet nicht, Emotionen zu unterdrücken, sondern zu erkennen: Meine Stimmung ist da – aber sie muss nicht meine Herde unruhig machen. Beispiele dazu hörst du in der Folge.
Führung im Stall ist keine Lautstärke – sondern Orientierung
Immer wieder wird in der Folge deutlich: Führung im Stall hat wenig mit Lautstärke zu tun, sondern mit Klarheit. Tiere brauchen keine perfekten Menschen. Aber sie brauchen verlässliche Signale:
- Ein ruhiger verlässlicher Tagesablauf
- Eine klare innere Haltung (das spüren die Tiere)
Klarheit reduziert Stress auf beiden Seiten – bei Mensch und Tier.
Was sich verändert, wenn Kommunikation bewusster wird
Wenn Kommunikation im Stall bewusster wird, zeigen sich oft sehr konkrete Veränderungen:
- weniger Stress in der Herde
- ruhigere Abläufe beim Melken oder Umstallen
- mehr Vertrauen zwischen Mensch und Tier
- weniger Missverständnisse und „Chaos-Momente“
- und langfristig: mehr Sicherheit im gesamten Arbeitsalltag
Besonders spannend: Auch das Vertrauen der Menschen in sich selbst wächst. Denn wer erlebt, dass seine eigene Haltung Wirkung hat, beginnt anders zu handeln.
Fazit: Kommunikation ist immer da – die Frage ist nur, wie bewusst
Die Frage ist nicht, ob wir mit unseren Kühen kommunizieren, sondern wie bewusst wir es tun.
Lernen wir von anderen, wie andere mit ihren Kühen umgehen und was hilfreich ist und was nicht. Diese Lernbereitschaft und ein gesunde Portion Neugierde für die Kommunikation mit unseren Rindern, wird dich vermutlich weiter bringen als noch mehr Sensoren im Stall.
Weiterführende Links
Deine nächsten Schritte
Viel Spaß mit Deinen Kühen und genieße das Leben
Dein Christian Völkner