In dieser Folge nehme ich dich mit in eine Hofübergabe außerhalb der Familie, die gerade erst beginnt. Mein Gast Andreas Pitz hat rund 100 melkende Kühe in der Region Aachen. Gemeinsam mit seiner Frau will er Schritt für Schritt den Betrieb von Georg übernehmen, einem entfernten Verwandten ohne Nachfolger. Aufgenommen haben wir das Gespräch im Februar 2026, noch vor dem Start der Kooperation.
Dieser Blogartikel und der Podcast ist keine steuerliche oder rechtliche Beratung!
Wie aus einem Gespräch an der Weide ein Plan wurde
Im September 2024 meldet sich Georg bei Andreas. Er wolle mal über die betriebliche Zukunft reden. Georg ist 55 und hat zwei Töchter, keine will den Betrieb weiterführen. Andreas rechnet damit, dass Georg abstocken will oder einen Platz für seine Rinder sucht.
Dann treffen sich die beiden zufällig an Andreas’ Weide. Dort erzählt er, was er sich vorstellt: erst zusammenarbeiten, dann übernimmt Andreas den Hof. Andreas ist baff und schickt seiner Frau als Erstes eine Sprachnachricht.
Die drei nehmen sich noch etwas Zeit. Zum 1. Januar 2025 übernimmt Andreas zunächst den Betrieb seiner Eltern. Diese Übergabe wollte er zuerst sauber abschließen. Danach haben sie sich mit Georg zusammengesetzt.
Warum eine Kooperation statt eines Verkaufs
Georg hätte den Hof auch verkaufen können. Er hat Andreas aber gesagt: Dann hast du einen Riesenberg vor dir, über den du nicht drübergucken kannst.
Dazu kommt das Finanzamt. Wer nicht in gerader Linie verwandt ist, zahlt schnell bei der Übertragung von Vermögen kräftig mit. Deshalb gründen Georg, Andreas und seine Frau zuerst eine gemeinsame Gesellschaft. Über viele Jahre wandern die Anteile dann Stück für Stück von Georg zu den beiden. Ganz steuerneutral ist auch das nicht, aber nach ihrem Wissensstand der günstigste Weg.
Geplant ist eine GmbH & Co. KG. Bei einer KG gibt es zwei Rollen. Der Komplementär haftet voll. Ich merke mir das immer so: Der bekommt das Kompliment dafür, dass er voll haftet. Die Kommanditisten haften nur mit dem Kapital, das sie eingebracht haben. Bei der GmbH & Co. KG ist der Vollhafter eine GmbH, und deren Haftung ist beschränkt.
Ich habe selbe Erfahrungen mit einer familiären Komanditgesellschaft gemacht. Mein Vater hatte damals eine Betriebsteilung gemacht, damit mein Onkel auch Landwirt werden konnte. Im Anbindestall standen zwei Milchtanks, und es gab zwei Liefernummern. Als ich als Betriebsleiter mit einstieg, haben wir uns entschieden aus der GbR eine KG zu machen.
Geheimhaltung bis kurz vor dem Start
Von Anfang an galt absolute Verschwiegenheit, auf beiden Seiten. Andreas und Georg hatten Sorge, dass sonst Kollegen bei den Verpächtern vorsprechen und Flächen wegfallen.
Andreas’ Eltern haben erst gut ein Jahr nach den ersten Gesprächen davon erfahren, ein halbes Jahr vor dem geplanten Start. Andreas kennt seinen Vater und wollte seine Energie nicht monatelang darauf verwenden, sich zu rechtfertigen. Lieber hat er erst informiert, als der Plan stand.
Die richtige Hilfe finden
Der erste Weg führte über die Landwirtschaftskammer. Dort ging es oft zuerst um die soziale Seite, um den Abgleich der Interessen. Den brauchten die drei nicht. Andreas sagt: „Wir wissen, was wir wollen. Wir brauchen Hilfe bei der technischen Umsetzung.”
Dazu kam, dass Georgs Unterlagen ausgelagert waren. Kenn ich persönlich auch: Der Zettel, den man gerade brauchte, liegt beim Steuerberater. Georgs Steuerberater war eine wichtiger Impulsgeber. Der hatte alle Zahlen und hat ihnen den Weg aufgezeigt, der seiner Meinung nach am sinnvollsten ist. Für mich gibt es zwei Sorten von Steuerberatern. Die einen schauen zurück, die anderen schauen nach vorne. Wenn du nach Vorne gestallten möchtest, brauchst du auch einen Steuerberater, der nach vorne schaut.
Wie die Zusammenarbeit geplant ist
Wer welche Arbeit macht
Gemolken wird künftig auf Georgs Betrieb, dort liegen auch die Silos. Das Jungvieh kommt an Andreas’ jetzigen Standort, vier Kilometer entfernt. Georg wird nach Andreas’ Einschätzung vor allem Fütterung und Einstreuen übernehmen. Reproduktion und Klauenpflege wandern zu Andreas und seiner Frau, das Melken teilen sie sich. Georg wollte von Anfang an, dass sich jeder im ganzen Betrieb auskennt. Dann kann auch mal jemand sonntags ausschlafen oder ein Wochenende wegfahren.
Wie die Herden zusammenkommen
Beide haben rund 100 melkende Kühe. Gemeinsam wollen sie zunächst bei etwa 150 landen, mit größerem Melkstand und Anbau später bei rund 180. Vorher bringen sie die Herden auf den gleichen Immunstatus.
Geld und Absicherung
Ausgezahlt wird über die Gesellschaft, zunächst zu gleichen Teilen. Georg bekommt einen normalen Angestelltenlohn. Wenn er später nicht mehr mitarbeiten will, soll der Betrieb seine Rente stützen. Die Mehrheitsanteile liegen bei Andreas und seiner Frau. Wer viel in einen Betrieb investiert, will am Ende nicht ohne etwas dastehen.
Was noch offen ist
Den Ernstfall haben die drei bisher nicht durchgespielt. Was passiert bei einer schweren Krankheit oder einem Todesfall, wer ist dann Rechtsnachfolger? Andreas hat sich das im Gespräch notiert. Ein Vorteil der Gesellschaft zu dritt steht schon fest: Fällt einer aus, sind noch zwei da, die entscheiden dürfen.
Wie es nach dem Start im Sommer weiterging, erzählt Andreas im zweiten Teil. Den hören Mitglieder vom Club der alten Kühe im ClubFunk, dem internen Podcast vom Club der alten Kühe.
Fazit: Eine Hofübergabe außerhalb der Familie braucht Zeit und klare Absprachen
Georg hat früh gefragt und klar gesagt, was ihm wichtig ist: Seine Arbeitssituation darf nicht schlechter werden. Alles andere hat er Andreas und seiner Frau überlassen. „Schlagt mir was vor. Wenn’s gar nicht geht, leg ich mein Veto ein.” Aus Andreas’ Sicht ist das ein großes Vertrauen.
Wenn du dich mit Kuhmenschen austauschen willst, die solche Fragen offen besprechen: Ende November nehme ich wieder neue Mitglieder im Club der alten Kühe auf. Hier kannst du dich unverbindlich vormerken.
Weiterführende Links
Deine nächsten Schritte
Viel Freude mit deinen Kühen und genieße das Leben!
Dein Christian Völkner