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091| Pansenazidose erkennen

Pansenazidose erkennen

Azidose bedeutet schlicht Übersäuerung. Ihr Gegenteil ist die Alkalose, welche unter anderen bei der Fütterung von nitratreichen  Silagen auftreten kann. Damit du und dein Tierarzt und Berater nicht aneinander vorbei reden, brauchst du einige Infos …

Inhaltsverzeichnis:


Sponsor dieser Folge ist Lallemand Animal Nutrition. 

Lallemand Animal Nutrition ist ein Hersteller natürlicher, mikrobieller Futterzusatzstoffe wie z.B. probiotischen Hefen und nützlichen Milchsäurebakterien u.v.m., der als Zulieferer für die Tierfutterindustrie eng mit den Futtermittelherstellern in Deutschland und Österreich zusammenarbeitet. Gemeinsam mit seinen Partnern engagiert sich das Unternehmen für optimale Tierleistung und -gesundheit mit speziellen natürlichen mikrobiellen Produkten und Serviceleistungen. 

Auf der Grundlage solider wissenschaftlicher Kenntnisse, erwiesener Ergebnisse und Know-how entwickelt, produziert und vertreibt Lallemand Animal Nutrition hochwertige Hefe- und Bakterienprodukte wie etwa Probiotika, Siliermittel und Hefederivate. Diese innovativen Lösungen sind vorteilhaft für Ernährung und Wohlbefinden der Tiere und unterstützen das Management von Fütterung und Tierumfeld. Lallemand bietet ein hohes Maß an Expertise und die Selbstverpflichtung, mit langfristigen und profitablen Lösungen seine Partner voran zu bringen.


4 Arten der Azidose

1. Akute Pansenazidose

Diese akute Form besagt, dass du mindestens 24 Stunden lang einen pH-Wert von unter 5,5 im Pansen hast. Sie wird auch klinische Pansenazidose genannt. Du siehst es dem Tier deutlich an. Die Verdauung gerät ins Stocken. Wenn du akute Fälle hast, ist das oft nur die Spitze des Eisberges. Unter der Oberfläche lauert die …

2. Subakute Pansenazidose

Diese Form wird in der zunächst nicht erkannt. Sie wird auch subklinische Pansenazidose genannt. Oftmals tritt diese Form bei vielen Tieren gleichzeitig auf. Die Tiere sind scheinbar mit angezogener Handbremse unterwegs. Der pH-Wert ist bei 5,8 oder niedriger für 3 bis 5 Stunden am Tag.

3. Metabolische Acidose

Ist eine Übersäuerung des Körpers. Sie lässt sich in Blut und Harn messen. Ursache kann die Pansenazidose sein,  oder ein unausgeglichener Säure-Basen-Haushalt. Hier ist ein Ansatzpunkt, die DCAB in der Fütterung zu berücksichtigen. 

4. Soziale Pansenazidose 

Ist wie die Subakute, aber durch sozialen Stress verursacht. Aber nun der Reihe nach …

Pansenazidose ist eine Kettenreaktion

Sehr hohe Stärke und Zuckergehalte führen durch die Entstehung von Milchsäure zu einem Absinken des Pansen-pH-Wert.

Die Folge von diesen hohen Gehalten ist, dass vermehrt flüchtige Fettsäuren gebildet werden. Dadurch steigt der Glucose-Gehalt im Pansensee an. Diese Glucose nehmen die laktatbildenden Bakterien und produzieren Milchsäure. Die Milch-SÄURE führt zu einem Absinken vom Pansen-pH-Wert. Dieses Absinken des pH-Wertes führt dazu, dass faserabbauende Bewohner nicht mehr richtig arbeiten können und somit die Energiebereitstellung aus dem Grundfutter reduziert wird. Im Pansen spielt vieles ineinander. Wir haben uns dran gewöhnt, aber es gleicht einem Wunder: Durch den Pansen kann aus Gras – Milch werden. Ziel ist eine gute Harmonie von allen wichtigen Pansenbewohnern.

Pansenazidose: Die Krux mit der Futterverwertung

Der Unterschied zwischen Betrieben mit hoher und niedriger Grundfutterleistung liegt bei gleich gutem Grundfutter oft an der besseren physikalischen Bearbeitung der Gerüstsubstanz (NDF). Die faserverwertenden  Bakterien und auch Pilze machen den Weg für andere Bakterien frei. Nun können die Hemicellulose und Zellulose besser verwertet werden. Die Krux: Die faserverwertenden Bakterien fühlen sich bei einem pH-Wert von 6,2 am wohlsten. Je weiter wir uns davon entfernen, desto schlechter wird die Verwertung der Gerüstsubstanz. Die Bearbeitung der NDF (Faserfraktion im Pansen) macht einen wichtigen Unterschied in der Futterverwertung. Da ist es gut, wenn wir Warnsignale an der Kuh erkennen. Gut zu wissen …

So hängt Klauenrehe mit der Fütterung zusammen

Bei starkem pH-Wert-Abfall sterben Pansenbakterien ab und werden verstoffwechselt. Dabei entstehen Stoffwechselprodukte. Ein Beispiel dafür sind die Histamine. Diese gelangen durch eine durchlässiger gewordene Pansenwand ins Blut und sorgen für entzündliche Prozesse welche zum Beispiel Klauenrehe nach sich ziehen. Kontroll-Tipp: Rosa Haut am Kronsaum zeigt sich auch bei vielen Histaminen noch bevor die Klauenrehe auftritt.

Pansenazidose vorbeugen

Es gibt einen banalen und vielversprechenden Ansatzpunkt: TM-Aufnahme der trockenstehenden Kühen messen. Eine hohe TM-Aufnahme in dieser Zeit ist ein wichtiges Fundament für die Gesundheit in der folgenden Laktation. Daniela Marthold empfiehlt das regelmäßige Messen, nur so kann der Erfolg von den Maßnahmen beurteilt werden. 

Je weniger pH-Wert-Schwankungen du hast, desto sicherer bist du auch bei hohen Stärke- und Zuckergehalten unterwegs. Daher auch der Trend zu geringen Gaben an der Schrottstation bis hin zur Voll-TMR.

 

Mit Kotwaschen der Pansenazidose auf die Schliche kommen

Der Kot ist ein weiterer Baustein, um die Situation zu erfassen. Stelle dir beim Kotwaschen folgende Fragen:

  • Wie wird die Faser genutzt?
  • Finde ich ungenutzte Mais- und Getreidekörner?

Der Kot ist bei einer subklinischen Pansenazidose flüssiger und bräunlicher als normal, manchmal auch leicht schaumig. Der Kot riecht auch unangenehm. Bei den Trockenstehern ist häufig eine mangelnde Wasseraufnahme zu beobachten. Dies kann in extremen Fällen zum sogenannten  Scheibenkot führen. Du kannst den Kot auch mit dem Manure Score beurteilen. Ziel ist Note 3. Dazu hier ein englisches aber eindrückliches Video. 

Was sagt uns das Erscheinungsbild der Rinder über die Pansenazidose?

Struppiges Fell kann ein Signal für Pansenazidose sein. Auch mangelnder Fellglanz ist ein Indiz. Durch den flüssigen Kot sind die Tiere oft verschmutzt. 

3 Faktoren zur um Azidose zu reduzieren 

1. Faktor Mensch: Probleme erkennen und handeln

Wichtig ist, dass du lernst, die subklinische Pansenazidose besser zu erkennen. Steigere deinen Kuhverstand. Du kannst durch den Austausch mit deinem Tierarzt, Berufskollegen oder auch Berater dir einen Blick von aussen holen und sie ausfragen: Was sie sehen und vor allem, woran sie es genau sehen. Gehe den Dingen auf den Grund. Es lohnt sich.

2. Faktor Haltung: hohe Liegezeiten = stabilerer pH-Wert im Pansen

Egal ob der Stallbau weit zurück liegt oder nicht, die Liegeboxen müssen von den Maßen her passen. Wir möchten, dass sich die Kühe schnell ablegen und hohe Liegezeiten erreichen. Das entlastet nicht nur die Klauen, auch das Wiederkäuen und die Blutzirkulation im Euter ist im Liegen erhöht. 

3. Faktor Fütterung: Konstant hohe Grundfutteraufnahmen = stabilerer Stoffwechsel

Um nur eine paar Stichpunkte zu nennen: Futtervorlage immer zur selben Zeit, Futterverfügbarkeit auf hohem Niveau (Auch für die Färsen). 

Kontakt zu Daniela Marthold

Infos auf Englisch über den Pansen

Podcast über pH-Wert Schwankungen im Pansen

 

Viel Spaß mit deinen Kühen und genieße das Leben!

Dein Christian Völkner

PS: Probleme mit Nachgeburten und Milchfieber? Komme in das DCAB-Webinar, so verstehst du wichtige Zusammenhänge und kannst aktiv vorbeugen.